Eine Reise an den Tatort von einst.

Neulich ertappte ich meine Ernährungsberaterin nächtens beim Verdrücken von Hamburgern. Dieser Tage verbrachte sie einen Teil der Nächte mit der Lektüre eines Spionage-Thrillers, dessen Handlung auch in Lübeck spielt. Der Autor beschrieb viele Szenen sehr anschaulich, auch die Villa des gefährlichen Doppelagenten, den er als Janusmann bezeichnet.

Eine gute Gelegenheit für einen leicht verregneten Sonntagnachmittag, sich auf die Suche nach den Weg der Vergangenheit zu machen.

1985 gab der Ost-West-Konflikt noch eine spannende Bühne für die Handlung ab, heute wirken die damaligen Orte der Handlung ganz anders. Wo einst Dr. Berlin sein finsteres Spiel trieb, existiert heute ein Hinterland, das geradezu langweilig unspektakulär ist. Der ehemalige deutsch-deutsche Grenzstreifen ist knapp 16 Jahre nach Grenzöffnung kaum noch zu erkennen, nur wenige Details verraten, wo einst Zaun und Todesstreifen verliefen.

Damals ließ der Autor seinen Helden die Grenze bei Nacht und Nebel durch eine Lücke im Eisernen Vorhang überqueren, fahren heute Sonntagsausflügler auf den Routen von einst. Ganz ohne Agententraining und am hellichten Tag.

4 Kommentare zu „Eine Reise an den Tatort von einst.“

  • partygirl schrieb:

    Als Kinder auf einem Schulausflug wurden wir gewarnt, den Zaun nicht zu berühren. Ich finde es sehr schön, jetzt freie Sicht auf das Land zu haben. Ich wünsche mir, dass der Riss der ehemaligen Teilung auch irgendwann endlich in den Menschen nicht mehr zu sehen ist.

  • Pat Bateman schrieb:

    Ich kann mir nicht helfen, dieser sinistre Charme des Reichs des Bösen, die Schattenwelt der informellen Grenzgänger, Agententausch auf der Glienicker Brücke, das KGB-Hauptquartier in Ostberlin, die Spuren der verborgenen Akteure – das ganze übte auf mich seinerzeit eine unglaubliche Faszination aus. Ich hatte so viele Geschichten von John le Carré gelesen, daß ich tatsächlich kurz nach dem Mauerfall begeistert zu den Stätten der Handlung pilgerte.

    Eine Figur, deren Name von so ephemerem Grundschulbildungsdünkel strotzt wie "Janusmann", ist mir allerdings dabei nicht untergekommen – selbst die IM-Namen der StaSi waren ja, wenn auch wenig sinnfällig, weitaus einfallsreicher. 😉

  • Nik schrieb:

    Werter Herr Batemann, fragen Sie doch mal Jolin Forbes nach dem "Janus-Mann".

  • Pat Bateman schrieb:

    Wenn Sie den Colin Forbes meinen, der eigentlich Raymond Harold Sawkins ist, sich aber da nicht festlegen will und bisweilen auch Robert Raines oder Jay Bernard heisst, habe ich dieses Buch gerade mal bestellt.

    Wehe, ich langweile mich – das kostet Sie dann das Shylock’sche Äquivalent des Zeitaufwandes, abzugelten in lebendem Fleisch. Bei Ihnen würde ich ausnahmsweise auch ein paar Kg Marzipan akzeptieren – aber nur Niederegger 😉

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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