Fährst Du noch oder parkst Du schon?

Schwedische Möbelhäuser genießen einen gewissen Ruf. „Idioten Kaufen Einfach Alles“ oder „Ich Kriege Einen Anfall“. Daß es auch ganz anders gehen kann, bewies mir vor Tagen die Einrichtungsberaterin.

Ob ich nicht einen Couchtisch haben wolle, fragte sie betont beiläufig, um jegliches Mißtrauen meinerseits bereits im Keim zu ersticken. Natürlich hatte sie bereits ganz genau ausbaldowert, welcher Tisch es sein müsse und wo er zu stehen habe. Mit perfekt-perfider Planung brachte sie mich dazu, nach Moorfleet zu fahren.

Die Fahrt dorthin verlief schneller und angenehmer als von mir befürchtet, was man als gutes Omen werten könnte. Der Parkplatz schien recht voll, doch ein großes Schild versprach viele Parkplätze auf dem Parkdeck. Die Auffahrt und die Tatsache, daß ich in einem roten Auto sitze, führten zu leichten Zuckungen im Gasfuß, die ich jedoch dank meiner Selbstbeherrschung in souverän-gelassene Fahrtweise ändern konnte.

Ein riesengroßer Aufzug beförderte uns vom Parkdeck auf dem Dach in das skandinavische Einrichtungstraumland. Meine Bemerkung, daß die Kabine des Lifts groß genug für mein Auto gewesen wäre, zog einen peinlich-vorwurfsvollen Blick nach sich. Doch noch nie war ich in einem Aufzug, der ganze vier Tonnen Nutzlast befördern konnte.

Mit unerhörter Zielsicherheit wurde ich in die Abteilung mit den Couchtischen gelotst und mir vorgeschrieben, welchen davon ich nun freiwillig auszuwählen hätte. Merke: Je geringer die Anzahl der Alternativen, desto einfacher die Entscheidung(sfindung).

Ein verstohlener Blick auf meine Armbanduhr verschaffte mir die Gewißheit, daß ich nach noch nicht einmal fünf Minuten diesen Tempel des Konsums verlassen durfte. Dachte ich zumindest. Auf dem Weg zum Ausgang kam ich an einer Musterküche vorbei, aus der es verführerisch duftete. Vor den Augen des Publikums bereitete dort ein Koch leckeres Essen zu, um es anschließend den Zusehern anzubieten. Natürlich mußte ich mir das nicht nur ansehen sondern auch gleich probieren.

Auch in der Abteilung Schnickschnack & Gedöns, pardon, Accessoires für die Wohnlandschaft, erwies ich mich als anfälliger als gedacht, so daß ich die Einkaufsberaterin wirksam ausbremsen mußte, um nicht schnurstracks von ihr an die Kasse gezogen zu werden.

Nach der Kasse wartete jedoch die nächste Versuchung auf uns. Kaum erblickte die Einrichtungsberaterin einen Stand mit Hot-Dogs, meldete sich die Ernährungsberaterin in ihr zu Worte und nötigte mich, dort Fast Food für sie zu erstehen. Den Kauf von schwedischer Schokolade oder Negerküssen konnte ich jedoch noch abwenden.

Eines ist sicher, ich komme wieder und dann werde ich den Rundenrekord auf der Auffahrt zum Parkdeck brechen. Versprochen. Oder sollte ich doch meinen Kleinwagen in den Fahrstuhl einparken?

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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