Fußball, (k)ein schwuler Sport?

Der Kollege, der gerne mal mit seiner Homophobie kokettiert, entdeckt eine Dose eines Energy-Drinks. Sofort fällt ihm das Design auf, die Regenbogenflagge ist ja auch nicht zu übersehen:

Fan-Dose im Regenbogen-Look

Dann entdeckt er das Logo eines Fußballclubs:

FC St. Pauli

Er lästert ein wenig:

Ich weiß ja nicht, wieso es im Profifußball Probleme mit Homosexualität geben soll? Der Schiedsrichter gilt doch eh als schwule Sau. Die gegnerischen Spieler sind alles Schwuchteln. Und die Fans der gegnerischen Mannschaft? Alles Homos.

In der eigenen Mannschaft ist natürlich nie einer schwul…

Hmmm, da hat er nicht ganz unrecht. Aber wieso zerbrechen wir uns überhaupt den Kopf darüber, ob Bundesliga-Profis schwul sind oder sein könnten? Statistisch gesehen müsste es den einen oder anderen Schwulen geben. Wenn sich jedoch ein Profi dazu bekennt, dann erst nach Ende seiner aktiven Karriere, so wie zum Beispiel Thomas Hitzlsperger.

Ein bekannter Fußballer, ich habe grad nicht parat, wer es war, machte sich neulich sinngemäß darüber lustig:

Da duscht man jahrelang nach dem Training zusammen mit jungen gutaussehenden Männern, aber niemand ist schwul. Das kommt erst vor, wenn man nicht mehr gemeinsam unter der Dusche steht. Liegt vielleicht daran, dass man vom Trainer nicht mehr jeden Tag die Anti-Schwul-Pille verpasst bekommt…

Es könnte (und sollte sogar) völlig egal sein, in wen sich ein Spieler verliebt. Hat das irgendeinen Einfluss auf seine spielerischen Leistungen? Nein! Macht ihn das zu einem weniger glaubwürdigeren Werbeträger, wenn es darum geht, Sportklamotten, Lebensmittel, Autos etc. zu bewerben? Auch Schwule ziehen sich an, essen und trinken, fahren und kaufen Autos. Also wo ist die Aufregung?

Die weiblichen Fußballprofis machen es uns vor. Man sagt, dass die halbe Fußball-Nationalmannschaft der Frauen entweder bisexuell oder lesbisch ist. Sieht man das deren Spiel an? Nein! Macht sie das zu schlechteren Spielerinnen? Nein. Sehen die Sportlerinnen wie fiese Mannweiber aus, so wie sich manch einer eine lesbische Frau vorstellt? Auch nicht.

Ich unterhielt mich neulich mit einer gutaussehenden Frau über das Thema Sport. Ich hätte sie eher als Turnerin vermutet, denn als Fußballerin. Sie sagte:

Klar gibt’s auch bei uns Frauen, die auf Frauen stehen, warum nicht? Und es sind nicht immer die, denen man(n) es anzusehen glaubt. Und es ist auch egal, ob eine lesbisch ist oder nicht. Wenn eine gut spielt dann gibt’s auch mal ’nen High-Five, eine Umarmung oder ’nen Klatscher auf den Po. Na und? Wir interessieren uns nicht dafür, wer in wen verliebt oder mit wem zusammen ist. Uns geht’s um Spiel. Und wenn eine lesbisch ist, na und? Dann ist das eben so.

Eine Haltung, von der sich viele männliche Fußballer oder Fußballfans eine Scheibe abschneiden könnten. Und sollten. Und nicht nur eine Scheibe.

1 Kommentar zu „Fußball, (k)ein schwuler Sport?“

  • Marcus schrieb:

    Manndeckung statt Blutgrätsche!

    Wenn man sich in einen gegnerischen Spieler verliebt, könnte das schon Einfluss auf die spielerischen Leistungen haben. Selbst bei gut bezahlten Profis ist professionelles Verhalten nicht immer im Preis enthalten. Aber behauptet denn jemand, dass man mit heterosexuellen Spielern weniger Probleme hat?

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About Nik

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