Gastronomie in der Krise — Wirklich?

In den Zeiten von Corona und des derzeitigen „Lockdowns“ sind viele Branchen betroffen. Manche davon stecken ein paar Monate Umsatzausfall eher locker weg, andere jammern ganz fürchterlich. Das ist je nach Branche ganz unterschiedlich.

Der Friseur, der ein paar Wochen, eher knappe zwei Monate, Zwangspause hatte, wird die ausgefallenen Haarbehandlungen (Achtung Wortwitz) nicht mal so eben nachholen. Ob mir mein Friseur nun einen oder zwei Zentimeter Haarlänge abschneidet, ist für mich kein Unterschied. Dass ich in den letzten zwei Monaten nicht zum Friseur konnte und mein Geld nicht dort ausgeben konnte, ist für den Friseur schon merkbar. Wenn laufende Kosten für Miete und Personal laufen ja weiter.

Aber zurück zu einer anderen Branche. Derzeit leidet ja auch die Gastronomie. Ein berühmter Fernsehkoch erklärt es sinngemäß so:

Das Steak, das ich in den letzten Monaten nicht verkaufen konnte, werde ich nach Corona nicht doppelt verkaufen können.

Das leuchtet ein. Andererseits bedeutet Corona und der Lockdown eben auch, dass Menschen zuhause sitzen und kaum eine Chance haben, Geld auszugeben. Also nach Corona sitzt bei denen, die nicht von Kurzarbeit betroffen waren, der sprichwörtliche Groschen entsprechend lockerer.

Und dann ist da noch etwas. Gerade in der Gastronomie soll es vorkommen, dass nicht jedes Essen ganz sauber durch die Kasse läuft. Ich erinnere mich da an den einen oder anderen Fall:

Ich war zum Essen eingeladen. Das Restaurant war klein und fein, bot tolle Speisen mit hohem Anteil an Handarbeit, entsprechend waren auch die Preise. Das ist aber okay, denn Qualität kostet. Und der Gastgeber, jahrelanger Hobbykoch, wusste nicht nur Qualität selbst zu schätzen, nein, er hat davon einiges an mich weitergegeben. Wirklich gutes Essen darf nicht nur einiges kosten, es muss sogar einiges kosten, sonst kann die Kalkulation nicht aufgeben. Gute Zutaten und viel Handarbeit bekommt man nicht mal eben so.

Aperitif, Vorspeise, Hauptgang, jeweils mit unterschiedlichem Getränk, dann Nachspeise und dazu noch Kaffee oder Espresso, da kam für drei Personen dann knappe 200 Euro zusammen. War es aber auch absolut wert.

Wie in feinen Restaurants üblich, kam die Rechnung nicht einfach so. Das Restaurant machte es so: Serviert wurde ein Teller, darauf eine Mappe, darin dann die Rechnung. Nein, keine Rechnung. Auf dem Beleg, von der elektronischen Kasse ausgespuckt, stand in fetten Buchstaben KEINE RECHNUNG.

Keine Rechnung? Aber diesen Zettel dann als echte Rechnung präsentieren? Meine Reaktion wäre klar gewesen: Ich hätte den Teller mit der Mappe und keinem Geld zurückgehen lassen. Vielleicht auf den Zettel geschrieben „Keine Rechnung, kein Geld“.

Das Restaurant hätte seinen Fehler (falsche Taste auf der Kasse gedrückt) bestimmt korrigiert und mir eine richtige Rechnung gegeben. Leider war ich nicht der Einladende und er bezahlte dann den Betrag. Ich habe da eine Vermutung, was dann passiert ist:

Das Restaurant hat die Schein-Rechnung ganz sicher nicht in eine echte Rechnung umgebucht, stattdessen wurde die Aufstellung in der Kasse storniert und das Geld schwarz kassiert.

Das Restaurant könnte sich dann demnächst auf eine Betriebsprüfung einstellen, denn der Zettel fand seinen Weg zu befreundeten Finanzbeamten, die sich über solche Hinweise sehr freuen. Wenn Steuerhinterziehung zum Geschäftsmodell gehört, dann sollte man das eigene Geschäftsmodell überdenken…

Oder das Schwarzgeld für schlechte Zeiten bunkern. Dann braucht man auch nicht in Krisenzeiten zu jammern, wie schlecht es einem doch gehe.

Ein anderes Beispiel: Ein amerikanisches Restaurant. Nein, nicht das Bermuda-Dreieck aus McD, BK und KFC, bei denen sich das Kassenpersonal gerne bei „Inhouse“ und „zum Mitnehmen“ an der Kasse verdrückt hatte.

Ich war in einem anderen amerikanischem Restaurant. Die Burger dort sind klasse, die Preise vernünftig, meine Begleitung Finanzbeamtin. Und — Berufskrankheit — achtete sie auf den Bon. Auch dort wieder nur eine unverbindliche Aufstellung. Die Bedienung redete sich damit raus, dass sie ja noch nicht wissen könne, ob wir nicht irgendwelche Rabattgutscheine hätten. Ja, ne, ist klar!

Auch dieser Laden könnte demnächst mal Besuch bekommen, der nicht unbedingt am Essen interessiert ist…

Also liebe Gastronomen, wenn ihr jetzt nach staatlichen Hilfen fragt, dann sollten die so ausfallen, dass auch dabei dann ein gewisser Anteil Schwarzarbeit abgezogen wird. Oder ihr könnt wirklich glaubhaft machen, dass bei Euch niemals auch nur ein Gericht oder Getränk nicht durch die Bücher lief.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
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