Gedanken zu Halloween

Vor ein paar Tagen war wieder Halloween. Ein guter Anlaß, um die Gedanken, die mir dazu durch den Kopf gehen, aufzuschreiben.

Na klar, Halloween, so wie es hier gegenwärtig gefeiert / durchgeführt wird, Kinder laufen verkleidet von Haus zu Haus, klingeln und fordern Süßes oder Saures, ist eine amerikanische Entwicklung. Natürlich kann man für den Spaß alte heidnische, keltische oder sonstige Bräuche herbeibemühen, aber wozu?

Es geht um den Spaß, den die Kinder haben. (Und die Geschäfte, die zwischen Sommer und Winter / Weihnachten noch eine Zwischensaison einschieben können, was die Ladendekoration angeht. Wobei noch die letzten Sommersachen auf den Grabbeltischen liegen, ein paar Meter weiter ist Halloween und noch ein paar Meter Weiter finden sich schon die Weihnachtssachen, aber das ist eine andere Geschichte.)

Also, es geht um den Spaß. Und wenn es darum geht, Anderen den Spaß zu verderben, sind einige Menschen ganz groß. Da wird dann — mit mindestens verächtlichem Unterton — erklärt, daß Halloween eben kein Brauch mit belegbar durchgehender Historie sei, daß der ganze „Quatsch“ reine Geschäftemacherei sei und ein typisch amerikanischer Unsinn, der mal wieder aus Amerika hierher geschwappt wäre.

Ja, das stimmt. Na und?

Vieles, was Einzug in unsere (deutsche Leit???) Kultur erhalten hat, ist nicht originär germanisch oder deutsch. Na und? Schalten wir das UKW-Radio ein und hören wir Musik. Oh, der Swing, Jazz oder Rock’nRoll oder Blues ist auch nicht hierzulande entstanden. Klingt aber trotzdem toll. Wenn ich eine Hose anziehe, dann ist es fast immer eine Blue-Jeans, auch böses imperialistisches Kulturgut. Da muß ich doch erstmal auf den Schreck eine Coke trinken. Der Hersteller Coca Cola kommt ursprünglich woher? Oh verdammt. Und dann dieses Internet. Auch eine amerikanische Erfindung, die wie viele andere großartige Erfindungen auch, ihren Weg über die ganze Welt gemacht hat.

Also, ihr lieben Ewiggestrigen, die Halloween als amerikanischen Blödsinn ablehnt, seid bitte konsequent und verzichtet auf alle anderen Erfindungen aus Amiland: Nutzt den Volksempfänger und hört Marschmusik, nutzt den Fernschreiber statt Internet, verzichtet auf den Personal Computer und schreibt mit der mechanischen Schreibmaschine, statt E-Mails benutzt ihr dann wieder die Rohrpost oder Brieftauben, vielleicht auch reitende Boten…

Halloween ist wie Swing oder Rock’n’Roll, wenn es einem nicht gefällt, dann muß man nicht dazu tanzen, auch wenn es verdammt viel Spaß machen kann. Und immer daran denken, Toleranz ist eine Tugend. Das Verbietenwollen oder Belehrenwollen eher eine Untugend…

Oder das Ganze noch kürzer: Leute, die heute Halloween als amerikanischen Blödsinn ablehnen, hätten früher auch Swing und Rock’n’Roll als Negermusik abgelehnt.

1 Kommentar zu „Gedanken zu Halloween“

  • Martin Lemke schrieb:

    Deinen Schluss „Leute, die heute Halloween als amerikanischen Blödsinn ablehnen, hätten früher auch Swing und Rock’n’Roll als Negermusik abgelehnt“ kann ich nicht nachvollziehen. Es gibt auch ehrbare Argumente gegen Halloween. Es gab zumindest in Norddeutschland ähnliches, das Rummelpottlaufen (nachzulesen bei Wikipedia).

    Würden die Kinder daran ihre Freude haben, wäre dies ein Kulturgut. Halloween steht aber für Kulturverlust. Der Rummelpott gerät im Schatten von Halloween nämlich in Vergessenheit.

    Martin

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About Nik

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