Gedanken zur … aktuellen politischen Situation

Zur aktuellen politischen Situation fällt mir nur ein Kommentar ein: Peinliches Versagen!

Ich weiß nicht, was genau wer wem auf den Anrufbeantworter gesprochen hat, aber offenbar steht nun Aussage gegen Aussage. Das ist eine dumme Ausgangslage, aber einer hat eine Aufzeichnung des gesprochenen Wortes und könnte somit auf der sicheren Seite sein. Die Regeln des Anstandes gebieten es, Inhalte von Telefonaten nicht einfach öffentlich zu machen. Eventuell gibt es da noch andere juristische Regelungen, die das Veröffentlichen verbieten, aber ich bin kein Jurist.

Nun streiten sich beide Seiten, wer was gesagt haben soll oder nicht gesagt haben will. Die eine Seite bietet die Veröffentlichung der Aufzeichnung an, damit sich jeder selbst einen Eindruck verschaffen möge, und bittet dazu ausdrücklich (und öffentlich) um Erlaubnis. Die andere Seite möchte die eigenen Worte besser nicht veröffentlicht haben, sei es aus Wahrung des Anstandes oder aus welchen Gründen auch immer.

Worum ging es eigentlich und in der Sache? Jemand, der in die Kritik geraten ist, hat eine etwas … sagen wir mal … zögerliche Vorgehensweise an den Tag gelegt, als es darum ging, die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und an ihn gerichteten Fragen zu beantworten. Es wurde das zugegeben, was ohnehin nicht mehr dementierbar war. Salamitaktik nennen das die einen. Andere nennen das ein katastrophales PR-Konzept.

In gewissen Situationen ist es sehr, sehr schlecht, die Medien (und damit die Öffentlichkeit) hinhalten zu wollen. Da hilft nur die vollständige Offenlegung der Dinge, vielleicht verbunden mit Erklärungen, die Einsicht, (einen oder mehrere) Fehler gemacht zu haben. Sich aber immer wieder zu ‚erklären‘ und dabei windelweich herumzureden, ist das, was man neuerdings als PR-Fail bezeichnet. Und dann hat man die Situation, die man eben hat.

Die mögliche Erpressbarkeit durch denjenigen, der den Mitschnitt hat, bleibt. Und aus der Nummer kommt man auch nicht so schnell raus. Es sei denn …

Es sei denn, man macht es so wie seinerzeit Klaus Wowereit. Im damaligen Wahlkampf drohte eine Zeitung seine Homosexualität publik zu machen. In einer Rede offenbarte sich Wowereit mit den — inzwischen legendären — Worten „Ich bin schwul — und das ist auch gut so!“ Damit war die Katze aus dem Sack, das Potential für Erpressungsversuche war verschwunden und der Protagonist hatte das Heft wieder in der Hand und nicht die Medien. Wowereits Homosexualität wurde schnell mit der Normalität aufgenommen, die ihr auch gebürt. Immerhin ist es normal, daß ein Teil der Menschen homosexuell ist. Deutschland hat nur zwei Weltstädte — Berlin und Hamburg — und konnte gut damit leben, daß der Regierende bzw. Erste Bürgermeister vieles ist, unter anderen eben bekennend schwul. Na und?

Kommen wir wieder zurück zur aktuellen politischen Situation: Die Würde des Amtes gebietet es, sich würdig zu verhalten. Und dazu gehört — nach meinem Verständnis — daß man schnell und vollständig aufklärt, wenn es etwas aufzuklären gibt. Die Aufrechterhaltung einer möglichen Erpressbarkeit ist jedenfalls mit der Würde des Amtes nicht zu vereinbaren.

Was passiert, wenn der Mitschnitt doch mal durchsickert?

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About Nik

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