Heiraten an besonderen Daten

Manchen Männern sagt man nach, sie bevorzugen leicht zu merkende Hochzeitstermine, weil sie sich dann das Datum besser merken könnten. Gerade war wieder so ein Datum, es war der 1.8.18. Das erinnert mich an ein Geschichte. Sie ist lange her und begann vor etwas über 20 Jahren.

Es war irgendwann 1997, als ich eine junge Dame kennenlernte. Nennen wir sie M. Sie war von ihrem Freund verlassen worden, ging dann eine Zeit lang in „Sack und Asche“, wie das viele Frauen machen. Und dann fing sie an, wieder auszugehen. Um zu sehen, ob sie als Frau denn noch auf Männer wirkt. Natürlich verliert ein Mensch nicht so schnell seine Ausstrahlung. Aber es dauert eine Weile, bis das Thema Ausgehen wieder eines war. So lernte ich sie in einer Disco kennen. Und wir freundeten uns an. Schnell war uns beiden klar, dass aus uns kein Paar werden würde. Muss ja auch nicht. Eine gute Freundschaft ist viel wert. Wir verbrachten viel Zeit miteinander, dann etwas weniger und dann… Dann kam der Tag, an dem sie wieder mit ihrem Ex-Freund zusammen war.

Die beiden wohnten nicht zusammen, ihre Wohnung war wirklich klein. Keine Chance für ihn, mit seinen Sachen bei ihr einzuziehen. Auch er wohnte klein. Aber er wollte ein Haus renovieren und dann da einziehen. Wenn es denn fertig sein sollte. Irgendwann. Im Laufe der Zeit wurde das Verhältnis zwischen den beiden dann so, dass von Heiraten gesprochen wurde. Und es sollte der 9.9.99 sein. Dann sollte das gemeinsame Haus fertig sein…

Die Zeit verstrich, es ging an die Vorbereitungen, sie kaufte ein Brautkleid, plante die Hochzeit, buchte (und bezahlte, das wird noch eine Rolle spielen) eine Hochzeitsreise. Er steckte sein Geld in das neue gemeinsame Haus. Im Frühling, wurde er dann ein wenig — es fällt mir schwer, einen passenden Ausdruck zu finden — „komisch“. Er war sich nicht mehr so ganz sicher, ob er wirklich am 9.9.99 heiraten wolle.

Nun, dass einer von zwei Ehepartnern sprichwörtliches Muffensausen bekommt, das kommt schon mal vor. Eine Ehe einzugehen ist ja nun auch eine Entscheidung fürs Leben. Eigentlich. Jedenfalls sprach er ihr gegenüber dann erstmal davon, eine Pause einzulegen und nicht am 9.9.99 zu heiraten. Das traf M. schon sehr. Immerhin hatte sie viel Liebe, Zeit und auch Geld in die Vorbereitungen gesteckt. Also wurde die Hochzeitsfeier abgesagt. Das ging noch ohne großen finanziellen Verlust; Lokale, in denen man eine Hochzeit feiert, kennen solche Vorfälle offenbar schon und wollen zum privaten Stress dann nicht noch finanziellen Stress machen, zumal solche Termine ja wirklich sehr begehrt waren.

Dann kam aber der eigentliche Hammer. Kurz vor dem 9.9.99 steckte ihr dann eine Freundin ein Geheimnis, dass diese eigentlich nicht verraten durfte und bat sie inständig, am 9.9.99 nicht in der Nähe eines bestimmten Standesamtes und einer bestimmten Kirche zu sein. Aus Gründen.

Und da brach für M. eine Welt zusammen. Schnell fand sie heraus, dass er zwar seit einiger Zeit wieder mit ihr zusammen war, aber nicht nur mit ihr. Oft, wenn er vorgeblich im Haus werkelte, war er woanders unterwegs. Und übernachtete auch nicht auf der Baustelle. Nun war ihr auch unmissverständlich klar, dass es kurz nach dem 9.9.99 keine Flitterwochen geben würde, die hätte man ja auch ohne vollzogene Trauung machen können.

Aber was sollte sie nun mit der Reise machen? Sie war gebucht, sie war bezahlt. Und die Möglichkeiten, eine Reise kurzfristig im Internet anzubieten, waren noch nicht erfunden. Sie fragte in ihrem Freundeskreis herum, wer denn Lust auf zwei Wochen Malediven hätte. Sie fragte auch mich. Und für einen kurzen Moment dachte ich darüber nach. Aber…

Wollte ich neben einer kreuzunglücklichen Frau 14 Tage lang in einem Doppelbett liegen? Zumal wir noch nie gemeinsam in einem Bett lagen? Nein!
Was, außer allen Arten an Wassersport, kann man auf den Malediven machen? Sich in die Sonne legen. Und ans Buffet gehen. Langweilig!
Wäre ich in der Lage, ihr in ihrem Unglück den nötigen Halt zu geben und Trost zu spenden? Nein!

Also war mir klar, dass ich raus war. Da auch sonst niemand aus ihrem sozialen Umfeld Zeit hatte oder sonstwie abkömmlich war, gelang es ihr, über Krankschreibung und Reiserücktrittsversicherung mit einem blauen Auge davonzukommen.

Im Laufe der Zeit haben wir uns aus den Augen verloren, ich weiß nicht, was aus ihr wurde, wünsche ihr aber alles Gute. Und ich kann damit leben, nie auf die Malediven gekommen zu sein.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
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