Humor ist, wenn man trotzdem lacht…

Woanders macht grad jemand die Welle. Worum geht es?

Am Tag des Christopher Street Day machte Nico Lumma vom Lummaland einen Scherz auf Twitter. Vielleicht keinen guten. Aber ist das Wesen eines Witzes, daß es jemanden geben muß, über den gelacht wird. Oder über dessen Dummheit, Ungeschicklichkeit, Blödheit … Es gibt Witze über Blondinen, Mantafahrer, Mathematiker, Software-Entwickler, Soldaten, Schüler, Klein Fritzchen und Klein Erna, Senioren, Behinderte, Studenten und und und; es gibt Witze über alle möglichen Gruppen. Warum auch nicht?

Homosexuelle wollen gleich behandelt werden, wollen gleiche Rechte wie Nicht-Homosexuelle, wollen steuerliche Gleichstellung, wollen rechtliche Gleichstellung. Klar, warum nicht. Aber bei Witzen soll es bitte eine Extrawurst geben und man soll sich Witze über Homosexuelle verkneifen?

Die Behinderten in meinem Umfeld sind da souveräner: Eine blinde Bekannte wollte beim Tandemfahren immer hinter mir sitzen, weil sie „mir so gerne auf den Hintern sieht“, auch sonst gab es den einen oder anderen Gag über die eigene Behinderung. Warum auch nicht? In der Normalität angekommen ist man, wenn man akzeptiert, daß über einen selbst auch Witze gemacht werden. Obwohl oder gerade weil man so ist, wie man ist.

Jeder muß sich überlegen, welche Bedeutung Dinge im (eigenen) Leben haben. Ein (dümmlicher) Witz ist ein unbedeutender Witz. Man kann ihn aber auch zum Thema aufblasen und ihm damit eine viel größere Bedeutung geben, als es vielleicht angemessen wäre.

Einerseits fordern Schwule und Lesben Toleranz ein, aber wenn es um (mehr oder wenige schlechte) Witze geht, dann ist das Ende der Toleranz angesagt? Dann kommt die „Schreibtischtäter“-Keule? Eine Nummer bescheidener geht es nicht? Wenn Nico Lumma, den ich kaum kenne, schon „Schreibtischtäter“ ist, was waren Eichmann und Konsorten? DAS waren Schreibtischtäter mit der Betonung auf „Täter“.

Immer dran denken, Internet ist nich die reale Welt. Und nicht jeder Tweet ist es wert, soch darüber aufzuregen. Es sei denn, man hat sonst keine anderen Sorgen mehr. Das sei auch Robert Niedermeier, dem Reiserobby empfohlen.

3 Kommentare zu „Humor ist, wenn man trotzdem lacht…“

  • Meine Güte, danke für diese vor Steilvorlagen nur so wimmelnde Replik. Eine heterosexistischer, selbstgefälliger Stolperstein nach dem anderen. Wer schon als Minderheit rechtlich gleichgestellt sein möchte, soll sich gefälligst daran erinnern wie viel schlechter es ihm noch vor ein par Jahren ging, und mit ein paar doofen Witzen klar kommen, die Gewalt gegen LGBTs gesellschaftlich flankieren, oder was? Post von Wagner könnte nicht einfallsloser daherkommen. Aber macht doch eure „Schwulen, Zigeuner, Juden. Behinderte und Negerwitze“ wo ihr wollt, aber lasst euch dabei nicht von einer Tunte erwischen… http://reiserobby.de/homofeindliche-gewalt-in-hamburg-wie-witzig-ist-nico-lumma/

  • Nikolaus Bernhardt schrieb:

    „Heterosexistisch“ ist auch ein nettes Todschlagargument, wirkliche Argumente braucht man da dann keine mehr. Wozu auch.

    Ich finde es zur Beurteilung der gegenwärtigen gesellschaftlichen Situation hilfreich, einen Blick in die Vergangenheit zu werfen, die bisherige Entwicklung anzusehen und dann auch darüber nachzudenken, ob und in welche Richtung wir uns als Gesellschaft entwickeln könnten/sollten/müßten.

    Vor Jahren war Homosexualität noch ein Fall für den Staatsanwalt, das ist glücklicherweise lange vorbei, heute sind Homosexueller weitgehendt gleichgestellt. Eine Entwicklung, die ich begrüße als sehr richtig empfinde. Klar, es ist hie‘ und da noch etwas zu tun, aber das große Ziel ist erreicht. Und das ist auch gut so.

    Ein Witz gegen ist zunächst ein Witz. Ich kann sehr wohl zwischen Zitze über und Gewalt gegen eine Gruppe unterscheiden. Das Eine finde ich manchmal witzig, manchmal banal und manchmal nur doof und nicht witzig. Gewalt gegen lehne ich ab. So einfach ist das. Weil ich weiterhin gerne über einen (guten) Blondinenwitz lache, bedeutet das noch lange nicht, daß ich Blondinen vergewaltige oder Vergewaltigung von (blonden) Frauen für akzeptabel halte.

    Wer einen Witz über Schwule mit einer Flankierung von Gewalt gegen LBBT gleichsetzt, ist offensichtlich nicht willens oder nicht in der Lage, Witze von Gewalt zu unterscheiden.

    „Post von Wagner“ sagt mir nichts. Was ist das? Muß man das kennen?

    Die schwulen, lesbischen, bisuexuellen, behinderten oder sehr dunkelhäutigen Menschen in meinem Leben legen Wert auf einen respektvollen Umgang, wie er zwischen allen Menschen üblich sein sollte. Dazu gehört auch, daß man mal einen Witz übereinander machen darf.

    Und lieber mal ein Witz über und sonst guten Umgang miteinander als keinen Witz, dafür aber Diskriminierung.

    Dieses „Ich will volle Rechte und auch ansonsten volle Gleichbehandlung, aber wehe, ihr macht einen Witz über mich“ finde ich dumm und verlogen. Und ich werde mich nicht daran beteiligen.

  • Robyn V. Durham schrieb:

    Homosexuelle wollen gleich behandelt werden, wollen gleiche Rechte wie Nicht-Homosexuelle, wollen steuerliche Gleichstellung, wollen rechtliche Gleichstellung. Klar, warum nicht. Aber bei Witzen soll es bitte eine Extrawurst geben und man soll sich Witze über Homosexuelle verkneifen?

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
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