Kauf teuer, sonst wird es noch viel teurer!

Der Titel dieses Artikels mag zunächst paradox erscheinen, aber wird sich erklären, wenn man diesen Artikel liest.

BWLer, so sagt man, sind wirklich gut darin, bestimmte Mosaiksteinchen zu Tode zu optimieren. Wenn sie dabei allerdings nicht das gesamte Bild im Auge haben, dann kommt es schnell mal vor, dass die hier zwar einen Euro optimieren können, dadurch aber woanders zusätzliche Kosten von vielen Euro entstehen. Gut, das war dann nicht Aufgabe der Optimierung, kommt vielleicht auch später heraus, wenn der Clownsultant Berater lange woanders sein Unwesen treibt im nächsten Projekt weitere Erfahrungen sammelt.

Denken wir uns wieder einen großen Konzern, den wir uns schon ein paar Artikel weiter vorne gedacht hatten. Und weil wir ja ein großes Unternehmen sind, haben wir Standards. Also kaufen wir möglichst alles an Hardware aus einer Hand. Es gibt ja ein paar Global Player, die einen so ziemlich überall auf der Welt beliefern können, was Laptops, PCs und Server angeht. Und natürlich Monitore…

Weil wir ja ein großes Unternehmen sind, haben wir eine Stelle, die Boot-Images für alle erstellt. Also das Betriebssystem, dann die Hardware-Treiber, die Sprachpakete der jeweiligen Region und dann die Anwendungspakete. Und damit wir nicht für jeden Hardware-Anbieter einzelne Pakete bauen müssen, haben wir eben nur einen Hardware-Lieferanten. Dadurch erreichen wir auch größere Stückzahlen und bessere Preise.

Und weil wir schlau sind, kaufen wir Qualität. Also nicht die Baureihe $Billiger_Plunder sondern die Baureihe $Anständige_Qualität. Ja, es gibt auch bei namhaften Herstellern unterschiedliche Serien, gerade bei Laptops. Hier hat man Metallgehäuse, dort hat man Plastik. Hier sind die Geräte für den Einsatz „Ständig unterwegs“, dort sind die Geräte für dein Einsatz „Wird nur zuhause genutzt und mal Nichtgebraucht zugeklappt“. Und warum bauen die Hersteller mehrere Serien? Der Markt verlangt beides. Ein Teil des Marktes möchte seine Außendienstler (Mitarbeiter lebt aus dem Koffer) bedienen und braucht Geräte, die das den Lebenszyklus des Gerätes aushalten. Ein anderer Teil des Marktes möchte keinen (klobigen) PC, stattdessen lieber einen Laptop, den man bei bedarf aus der Schublade zieht, aufklappt, ihn nutzt, dann wieder zuklappt und in der Schublade verstaut.

Soweit, so … banal.

Was passiert nun, wenn irgendjemand im Unternehmen der Meinung ist, dass die IT-Kosten zu hoch sind? Man holt eine Beratungsfirma, die dann einen Berater ansetzt. Gut, der versteht nur einen kleinen Teil des ganzen Geschäfts, aber er findet dann eine Lösung, mit der man 20% sparen kann.

Wow! 20% Ersparnis. Da bekommen die Projektverantwortlichen dann nicht nur feuchte Augen. Die alten IT-Hasen ahnen jedoch Schlimmes. Womit? Mit Recht! Schnell stellt sich heraus, dass es ein anderer Anbieter werden wird. Und dann dessen Modelle. Und bei genauerer Betrachtung kommt dann raus, dass der Berater Äpfel mit Birnen vergleicht: Hier die Profi-Serie, dort die Amateur-Serie. Weniger Ausstattung, weniger Qualität.

Und nun kommt der ganze Rattenschwanz: Das Team, dass Images gebaut hat, hat erheblichen Mehraufwand, denn der neue Hersteller will seine Treiber in den Images haben, das kostet. Wo man früher bequem 2 Monitore anschließen konnte, braucht es nun zusätzlichen Adapter dafür, die kosten eben zusätzlich. Und da die neuen Geräte, besonders die Laptops, nicht so standfest wie die alten Geräte sind, kommt es vermehrt zu Ausfällen.

Und nun kommt der entscheidende Ansatz, den offenbar viele Berater aus der BWLer-Fraktion nie gelernt oder nie verstanden haben. Man muss immer die Kosten über die gesamte Lebensdauer rechnen und vergleichen. Nehmen wir eine Lebensdauer von 3 Jahren, dann haben wir einmal den Kaufpreis. Naja, eher die Leasingkosten, da wir die Geräte leasen. Der Kaufpreis wirkt sich in den Leasingkosten aus. Aber auch nur recht gering. Denn … dann kommen Kosten für die Grundeinrichtung der Geräte, also Inventarisierung, Grundbetankung mit Betriebssystem und Standard-Software. Und dann kommt die Migration von Programmen und Daten vom Altgerät auf dieses Gerät. Und dann lassen wir Forschungsleiter Dr. Dingenskirchen damit arbeiten. Am Ende der geplanten Lebensdauer kommen dann noch ein paar Arbeiten hinzu: Umzug der Lizenzen auf das Nachfolgegereät, De-Inventarisierung, Löschen der Festplatten, dann die eigentliche Rückgabe / Abholung durch den Leasinggeber.

Fällt ein Gerät aus, dann haben wir zusätzliche Arbeit: Ein neues Gerät muss vom Hersteller angefordert werden, es muss nicht nur inventarisiert werden, es müssen auch Altgerät und Ersatzgerät in den Datenbanken der Leasinggeber „glattgezogen“ werden. Und dann muss Dr. Dingenskirchen solange ohne Laptop auskommen. Oder auf die Schnelle ein Ersatzgerät bekommen. Alles Aufwand, alles Kosten. Jede Stunde, die Herr Doktor nicht (richtig) arbeiten kann, kostet die Firma richtig Geld. Jede Stunde, die die IT (vermeidbaren) Aufwand hat, kostet auch.

Schnell stellt sich heraus, dass man auf dem Papier vielleicht 20% sparen konnte, wenn man aber das gesamte Bild sieht, nicht nur ein Mosaiksteinchen, dass es deutlich teurer wurde. Dass Dr. Dingenskirchen auf die IT nicht mehr gut zu sprechen ist, weil er mit einer Billig-Gurke von Laptop arbeiten muss, ganz zu schweigen.

Ein Kollege formulierte es so:

Vielleicht sollten wir bei den Dienstwagen der Vorstände auch mal 20% sparen. Also keine Sitzheizung mehr, keine Klimaanlage mehr, kleinere Motorierung… dann werden die merken, dann billig eben oftmals viel schlechter ist.

 

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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