Killerspiele verbieten! Killerfilme senden? Und Killer-Bibeln?

Aus einem Besuch bei Freunden wurde ein gemütlicher Abend vor dem Fernseher. Abends gab es dann „Feuerball“ aus der James Bond-Reihe. Schnell zog uns der (wirklich gutgemachte) Film in seinen Bann. Ich ließ meine Gedanken schweifen. Ich erinnerte mich, den Film im Kino gesehen zu haben. In einem Kino, was lange verschwunden ist. Irgendwann als ich noch Schüler war. Ich habe keine Ahnung, wie alt ich damals war, aber wohl alt genug.

Da ich die Handlung des Films und seinen Ausgang – James Bond rettet die Welt, sonst gäbe es keine Fortsetzung – schon kenne, sehe ich den Film mit etwas anderen Augen. Ich achte auf die viele Brutalität, die versteckt oder offen in diesem Film vorkommt. Menschen werden (Achtung Klischee) hungrigen Haien zum Fraß vorgeworfen, mit Harpunen erschossen, das auch noch so, daß sie publikumswirksam an einer Palme hängenbleiben. Andere Menschen werden erstickt, ertränkt oder kommen sonstwie ums Leben, jedenfalls nicht auf friedliche Weise.

In einem anderen Film aus der Reihe (War es „Goldfinger“?) wirft 007 einem Widersacher einen elektrischen Ventilator in die Wanne, um nach dessen Tod ein hämisches „Ist ja widerlich“ zu sagen.

Ich habe im Laufe meines Lebens viele James Bond-Filme im Kino gesehen, und immer wieder sind sie auch im Fernsehen zu sehen. Als Junge wollte ich sein wie James Bond, manchmal auch wie seine Widersacher, aber nur am Anfang des Filmes, ich wußte ja, daß am Ende doch immer 007 der Gewinner ist. Und nicht nur ich habe versucht, mich mit dem Helden der Leinwand zu identifizieren und sein Verhalten zu kopieren. Ich kann mir nicht merken, ob mein Idol von einst seinen Wodka-Martini geschüttelt oder gerührt bevorzugt, aber wenn es in einem James Bond-Film spektakuläre Auto-Stunt-Szenen gab, dann lassen sich doch einige Zuschauer nach dem Kinobesuch dazu verleiten, etwas Bond-artiger vom Parkplatz zu fahren.

Mehr passiert nicht. Auch wenn ich viele Gewalttaten in diesen Filmen gesehen habe, habe ich noch nie meine hübsche Nachbarin mit flüssigem Gold überzogen. Das lag sicherlich nicht am hohen Goldpreis. Auch habe ich niemanden erschossen, erstochen, jemanden elektrische Geräte in die Wanne geworfen. Ich habe auch keine waghalsigen Auto-Stunts nachgemacht und in der Krempe meines Hutes verstecke ich auch kein Mordwerkzeug.

Auch bei häufiger Anwendung oder erhöhter Dosis bewirken James Bond-Filme keine Verwandlung zum Geheimagenten oder verleihen mir die Lizenz zum Töten. Im Gegenteil, es ist perfekt gemachte Unterhaltung, die zur besten Sendezeit ausgestrahlt wird.

Videospiele, in denen sich der Spieler in die Rolle eines Polizisten versetzen muß, der Jagd auf Geiselnehmer machen muß, oder Spiele, in denen der Spieler als Soldat unterwegs ist, werden als „Killerspiele“ gebrandmarkt und sollen nach dem Willen einiger Politiker verboten werden.

Dabei sind die Opfer in den Spielen so real wie die Bösewichte aus den James Bond-Filmen.

Und wenn ich mir ansehe, wieviel Gewalt in der Bibel zu finden ist und lese, daß in Ratzeburg ein Christ seinen Sohn angeblich aus religiösen Motiven getötet hat, dann kann ich Kris‘ Bedenken nur teilen. Killer-Bibeln gehören dann ebenso verboten wie Killer-Spiele oder Killer-Filme.

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About Nik

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