Killing me softly

Aus Kalifornien kommen merkwürdige Nachrichten. Michael Morales, wegen Mord und Vergewaltigung zum Tode verurteilt, wurde nicht hingerichtet. Bereits zwei Hinrichtungstermine verstrichen ohne den beabsichtigten Erfolg.

Auch bei der grausamsten aller Strafen, der Todesstrafe, haben die Verurteilten den Anspruch auf eine humane und möglichst wenig grausame Hinrichtung. Aus diesem Grund wird in vielen US-Bundesstaaten die Hinrichtung per Giftspritze vollzogen, sie soll eine ‚humane‘ Vollstreckung garantieren. (Können Hinrichtungen überhaupt human sein?)

Stimmt die Dosierung der Schmerz- und Betäubungsmittel jedoch nicht, erlebt der Verurteilte die Wirkung des Giftes und extreme Schmerzen, so urteilen Ärzte. Deswegen sollten Anästhesisten bei der Hinrichtung assistieren und dafür sorgen, daß eine ausreichende Betäubung sichergestellt. Diese Handlungsweise, einen Menschen zu töten oder dabei zu helfen, verstößt gegen den ärztlichen Eid, Menschen am Leben zu erhalten, den alle Ärzte ablegen.

Was nun?

Einerseits sind Staat und Gesellschaft entschlossen, einen Menschen hinzurichten, was man durchaus als barbarisch bezeichnen kann, andererseits soll diese Barbarei möglichst sauber aussehen.

Oder noch etwas härter formuliert: Man möchte einen Menschen umbringen, traut sich aber nicht, sich dabei die Finger schmutzig zu machen. Man möchte gegenüber der Öffentlichkeit, in deren Namen die Urteile schließlich vollstreckt werden, den Eindruck erwecken, Todesstrafe und Hinrichtungen seien human und sauber. Wenn mehr Menschen begreifen, wie grausam und unmenschlich die Todesstrafe ist, werden sich mehr Menschen dagegen aussprechen.

Okay, manche Menschen nicht. Britney Spears sagte der französischen Zeitung „Libération“ am 2. April 2002 in einem Interview:

Ich bin für die Todesstrafe. Wer schreckliche Dinge getan hat, muss eine angemessene Strafe bekommen. So lernt er seine Lektion für das nächste Mal.

Quelle für dieses unglaubliche Zitat bei WikiQuote.

1 Kommentar zu „Killing me softly“

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