Kriminelle(r) SozialschmarotzerIN

Mit der sinngemäßen Aussage, er sei doch kein Sozialschmarotzer, versuchte sich ein bekannter Steuerkrimineller rauszureden. Hat ja auch fast geklappt. Allerdings muß er nun doch in den Knast. Jedenfalls auf dem Papier. Mal sehen, wie das in der Realität aussehen wird. Es deutet sich an, daß nur ein sehr kurzer Teil der Strafe tatsächlich ‚richtig‘ abgesessen werden muß, der überwiegende Teil wird in offenen Vollzug stattfinden.

Lassen wir usn das mal auf der Zunge zergehen.

So mancher Bezieher von Hartz-IV muß sich von (selbsternannten) Leistungsträgern der Gesellschaft als „Sozialschmarotzer“ bezeichnen lassen, obwohl er die Leistungen in Anspruch nimmt, die ihm gesetzlich zustehen. Wir reden hier von runden 350 Euro im Monat plus den Kosten für eine (bescheidene) Unterkunft, also von ca. 700 Euro.

Wer dann mal eben 28 Millionen Steuern nicht bezahlt, will kein Sozialschmarotzer sein? Damit wir uns das besser vorstellen können, wieviel Geld 28.000.000 Euro sind. Man könnte davon knapp 3.500 Menschen ein Jahr lang Hartz-IV (plus Miete in gleicher Höhe) bezahlen.

Rechnen wir mal anders: Alleine von den Zinsen so einer Summe könnte man knapp 70 Personen Hartz-IV (plus Miete) bezahlen. Na, immer noch kein Sozialschmarotzertum?

Vor Gericht wurden mal eben 70.000 Blatt Unterlagen nachgereicht. Damit wir uns auch diese Menge vorstellen können: Ein schneller Abteilungsdrucker braucht dazu 24 Stunden. Und ausreichend Toner-Patronen. Und zwischendurch den Wartungstechniker.

70.000 Blatt, das sind, das sind… Also 500 Blatt sind ein Packen Druckerpapier. 2.500 Blatt sind ein Karton a 5 Packen Druckerpapier. So ein Karton ist schon etwas schwerer. 25.000 Blatt sind 10 Kartons, wir müssen aber 70.000 Blatt haben. Wir kommen also auf 28 Kartons Druckerpapier. Das ist ein Stapel von 2 Kartons quer, 7 dieser Reihen in einer Folge. Und darauf dann noch eine Lage. Das zu bewegen braucht einen einen Hubwagen oder gleich einen Gabelstapler.

Interessant ist auch, daß das Gericht nur wenige Tage brauchte, um sooo große Mengen eingehend zu prüfen. Ein Verdacht liegt in der Luft: Es wird eine Zahl zugegeben, das Finanzamt sagt in bester bayerischer Tradition „Baßt scho“ und das Gericht verteilt dann eine super-niedrige Strafe.

Ja, 3,5 Jahre sind ein Witz. Teilen wir 28.000.000 Euro hinterzogene Steuern durch die Anzahl der Tage Freiheitsstrafe (3,5 Jahre mal 365 Tage), dann kommen wir auf knappe 22.000 Euro. Wenn ich 22.000 Euro Steuern hinterziehe, dann werde ich garantiert zu mehr als zu einem Tag verknackt.

Und da sage noch einer, es gäbe für bestimmte Menschen keinen Promi-Bonus.

Wo wir grad bei Promis sind. Eine prominente Berufs-Emanze, bekannt aus medialer Vorverurteilung von Jörg Kachelmann, hat auch Steuern hinterzogen. Interessant auch hier ist die Rechtfertigung: Sie habe Angst haben müssen, Deutschland verlassen und in die Schweiz gehen zu müssen. Ah ja.

Das klingt so, als ob sich in den 80er und 90er Jahren jeden Tag der wütende Mob mit Fackeln und Mistforken vor der „Emma“-Redaktion versammelte und zum Vergewaltigen, Plündern und Brandschatzen aufrief. Muß irgendwie an mir vorbeigegangen sein. Oder die Betroffene hat eine ganz schlechte Ausrede benutzt.

Pikantes Detail am Rande: Sie hat den deutschen Staat um Steuern betrogen, der ihr Frauenprojekt doch bitte aus Steuermitteln unterstützen sollte.

Ein Gutes hat es: Immerwird wird uns ihr Anblick in den Talk-Shows die nächste Zeit erspart bleiben. Ihre immerwährende „Die Männer sind an allem schuld“-Leier ging mir schon lange auf den Geist. Und in der Sache hilfreich war so eine undifferenzierte Betrachtungsweise schon lange nicht mehr.

Hinweis in eigener Sache: Dieser Artikel lag etwas länger im Entwürfe-Ordner, ich kam einfach nicht zum Bloggen.

2 Kommentare zu „Kriminelle(r) SozialschmarotzerIN“

  • Martina Diel schrieb:

    Da hab ich doch gleich einige Kommentare dazu.

    1. Zitat:
    „So mancher Bezieher von Hartz-IV muß sich von (selbsternannten) Leistungsträgern der Gesellschaft als “Sozialschmarotzer” bezeichnen lassen, obwohl er die Leistungen in Anspruch nimmt, die ihm gesetzlich zustehen.“

    Zumindest ich habe derlei Bezeichnungen nur dann gehört, wenn jemand, obwohl er arbeiten könnte, es nicht tut (oder derjenige, der so etwas äußert, das jedenfalls glaubt.) Es geht hier also um Leute, die eben gerade nicht bedürftig sind und dem daher diese Leistungen nicht per Gesetz zustehen.
    Und ja, das gibt es durchaus. Über den Umfang kann ich nichts sagen, aber meine Beobachtungen schildern im Rahmen meiner (bisher vergeblichen) Versuche, eine Putzhilfe, die nicht schwarz arbeiten will, sondern im Rahmen eines regulären Minijobs. Da höre ich sehr oft „nee, das darf ich dann nicht behalten, ich kriege Hartz IV“.

    2. Zitat „Ja, 3,5 Jahre sind ein Witz. Teilen wir 28.000.000 Euro hinterzogene Steuern durch die Anzahl der Tage Freiheitsstrafe (3,5 Jahre mal 365 Tage), dann kommen wir auf knappe 22.000 Euro. Wenn ich 22.000 Euro Steuern hinterziehe, dann werde ich garantiert zu mehr als zu einem Tag verknackt.“

    Ähem. Es ist doch nicht so, dass das Strafmaß proportional zum „Umfang“ der Straftat zeigt. Ein Amokläufer, der 10 Menschen erschießt, bekommt doch auch nicht 150 Jahre Haft, wenn einer, der einen umbringt, 15 Jahre bekommt. (Jedenfalls hierzulande – in den US of A ist das anders)

    3. Zitat „Ihre [Schwarzers, Anm. von mir] immerwährende “Die Männer sind an allem schuld”-Leier ging mir schon lange auf den Geist. Und in der Sache hilfreich war so eine undifferenzierte Betrachtungsweise schon lange nicht mehr.“

    Die undifferenzierte Betrachtungsweise sehe ich hier leider eher bei dir, lieber Nik. 😉
    Schwarzer hat immer großen Wert darauf legt, dass sie nicht die Männer an sich anklagt, sondern ein System, dass es Männern leichter als Frauen macht, Macht zu missbrauchen, einfach weil sie mehr Macht haben.
    Das lässt sich auch nachlesen.

    • Nikolaus Bernhardt schrieb:

      Ich möchte gerne auf Deinen Kommentar entworten.

      Viele Menschen mit Job könenn sich die Situationen von Menschen ohne Job nicht vorstellen und argumentieren entsprechend. Wie war das mit den Blinden nd der Malerei? Daß Menschen ohne Job nach der x. Absage dann auch irgendwann die Lust auf Bewerben verlieren, ist nachvollziehbar. Wer seit vielen Jahren einen (sicheren) Job hat, kann sich auch nicht mehr vorstellen, wie schwierig Bewerben heute sein kann. Mitte 50? Kaum noch eine Chance auf Arbeit, es sei denn man ist gesuchte Spitzenkraft. Mutter von Kindern? Auch ganz schlecht. So bleibt es vielen Menschen nur, sich in der „sozialen Hängematte“ einzurichten und sich in „spätrömischer Dekadenz“ zu üben.

      (Ich bin ehrlich froh, daß Parteien, die derlei Ausdrücke benutzten, aus dem Parlament geflogen sind.)

      Wenn Du eine Putzhilfe suchst, muß es dann ein Minijob sein? Kann man nicht reguläre Firmen beauftragen, eine Reinigungskraft zu stellen?

      Ich sehe im Fall Hoeneß schon einen ziemlich schweren Fall von Steuerhinterziehung. Viel schwerer geht’s wohl kaum. Weder von der Summe von vom Vorgehen. Und dann weit unterhalb der Höchststrafe? Weil er dem Gericht mal eben 70.000 Seiten Erklärungen vorgelegt hat? Ich bin mir SEHR sicher, daß die Behörden keine Zeit hatten, die Unterlagen vernünftig zu prüfen.

      Das Ganze sieht (nicht nur für mich) so aus, als habe es einen Deal ohne Deal gegeben. Hoeneß tut so, als wolle er sich offenbaren, der Staat tut so, als wolle er Täter und Tat bestrafen. Damit der Schein gewahrt bleibt.

      Viele andere Steuerhinterzieher gingen für ähnliche Zeit in den Knast, hinterzogen aber viel gerindere Summen und legten weniger kriminelle Energie an den Tag.

      Hattest Du mal Schwarzers Kommentare im Kachelmann-Prozeß verfolgt? Unschuldsvermutung? Pustekuchen! Nachdem das Gericht einen Freispruch verhängt hatte, mußte sie ihm zum „Freispruch 3. Klasse“ machen.

      Ja, damals, als Frauen ohne Zustimmung des Ehemannes kein eigenes Konto eröffnen durften, als es für Frauen spezielle Leichtlohngruppen gab, war Schwarzers Arbeit richtig und wichtig.

      Manche Menscvhen werden im Alter gütig und weise. Manche Menschen verlieren den Bezug zur Realität und werden verbittert.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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