Leben im Digitalzeitalter

Neulich beim Einkaufen verwickelte mich Frau Beissholz in eine Diskussion darüber, was für mich Leben im Digitalzeitalter bedeute. Bei der Gelegenheit mußte ich ihr versprechen, mir ein paar Gedanken zu machen und sie zu verbloggen.

Und damit wären wir auch schon in medias res: Ich blogge, schreibe also einen Teil meiner Gedanken auf und veröffentliche sie. Im Internet, so daß jeder Mensch sie lesen könnte, vorausgesetzt, es wird danach gesucht oder mein Feed gelesen.

Andere Menschen stehen morgens auf und holen sich noch im Nachthemd die Zeitung aus dem Briefkasten. Mein erster Gang führt mich morgens erst an den Rechner, um ihn einzuschalten, dann ins Badezimmer. Andere Menschen lesen ausführlich die Tageszeitung(en) am Frühstückstisch, dort hat dann jeder seinen individuellen Teil der Zeitung, der zuerst gelesen werden muß. Manch einer beginnt mit dem Comic des Tages auf der letzten Seite oder dem Sportteil, andere lesen zuerst die Börsenkurse und entscheiden danach, wie üppig ihr Frühstück ausfallen darf. Auch ich habe meine Rituale, in welcher Reihenfolge ich bestimmte Web-Seiten öffne und was ich morgens lese.

Ich halte das nicht für zwanghaft, jede Generation hat ihr Medium und die entsprechenden Konsumgewohnheiten dazu. Meine Oma, kurz vor dem Ersten Weltkrieg geboren, wuchs mit dem Radio auf. Für sie war es selbstverständlich, bei der Küchenarbeit das Radio eingeschaltet zu haben. Bei meinem Opa, kurz vor 1900 geboren, war das etwas komplizierter, er las mindestens zwei Tageszeitungen, wofür er sich oft ausführlich Zeit nahm. Auch hörte er Radio, aber meistens nur ausgesuchte Sendungen, bei denen er dann nicht angesprochen oder gar gestört werden wollte. Auch das Fernsehen war sein Medium, mit großer Freude sah er Dokumentationen über Natur, Technik oder Geschichte, dabei hat er doch einen erheblichen Teil der Geschichte doch selbst miterlebt…

Das ging soweit, daß die sonntäglichen Ausflüge mit Oma und Opa zeitlich so geplant wurden, daß wir pünktlich zum Internationalen Frühschoppen mit Werner Höfer wieder zu Hause waren. Die Älteren werden sich erinnern, sonntags um Punkt zwölf auf der ARD.

Mein Medium ist das Internet, ganz klar. Ich lese Blogs, bin in Newsgroups unterwegs, ich habe keine Lexika mehr im Haus, ich nutze lese in Wikipedia nach oder nutze Suchmaschinen, um gewünschte Inhalte zu finden. Wissen ist Wissen in seiner Zeit. Nichts ist älter als die Zeitung von gestern. Deswegen hole ich mir viele Inhalte oder Nachrichten quasi on demand.

Nichts gegen bedrucktes Papier, ich lese gerne. Unterwegs ist eine Zeitung, Zeitschrift oder ein gutes Buch ein angenehmer Begleiter, der schnell und einfach in der Bedienung ist und nicht an der spannendsten Stelle wegen leerer Batterien den Dienst versagt. Und manche Inhalte möchte ich einfach in meinem Bücherschrank haben. Die letzten Einzüge in meinen Bücherschrank waren die die Romantrilogie „Das Boot, Die Festung, Der Abschied“ von Buchheim, die mir ein guter Freund zum Geburtstag schenkte und ein Sachbuch von Tom Clancy, das unter dem Weihnachtsbaum lag. Auch wenn ich alle Teile der Trilogie von Buchheim bereits gelesen hatte, es ist schön, sie jederzeit wieder zur Hand nehmen zu können.

Meine Musik höre ich fast nur noch als MP3 und auf dem Rechner. MP3s sind praktischer als CDs, entsprechende Abspielgeräte sind klein und ich muß nicht meine CDs mit mir rumschleppen.

Mein Telefon ist zwar noch ISDN und nicht rein internet-basierend, aber das ist nur noch eine Frage der Zeit. Skype nutze ich häufig, wenn ich am Rechner sitze und dabei mein Gesprächspartner zum virtuellen Gegenüber am Schreibtisch mache.

Hab ich noch was vergessen? Natürlich! Andere Menschen hören ihren Anrufbeantworter mehr oder weniger sporadisch ab, ich lese meine regelmäßig und E-Mail ist inzwischen (fast) mein Lieblingsmedium geworden.

Ich habe keine Ahnung, wie und wohin die Reise weitergehen wird, aber ich finde es spannend, dabeizusein.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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