Mal wieder ein Fall für das „Forrest-Gump-Prinzip“?

Forrest Gump verdanken wir die Worte „Dumm ist, wer Dummes tut!“. Manche Handlungen mancher Menschen kann man wirklich nur unter dem Stichwort Forrest-Gump-Prinzip abhaken. Zum Beispiel die Äußerung des SPD-Bundestagsabgeordneten Dr. Sascha Raabe, in der er den Schluß nahelegt, wer gegen Internetsperren sei, wollte in Wirklichkeit freien Zugang zu kinderpornografischen Material erreichen. 

Hier ein Ausschnitt seiner Rede:

Wir können es doch als Gesellschaft nicht hinnehmen, das – so wie es die Piratenpartei fordert- Jugendliche und Erwachsene ungehindert Zugang zu Kinderpornos im Internet haben können, nur weil diese vom Ausland aus angeboten werden. Meinungs- und Informationsfreiheit bedeutet nicht, dass es ein Grundrecht auf ungehinderten Zugang zu Kinderpornographie im Internet gibt. Das Grundgesetz schützt vor allem die Rechte der Schwächsten und das sind hier die missbrauchten Kinder und nicht die sogenannte Internet-Community. Überhaupt finde ich es anmaßend, wenn die Piratenpartei sich als Vertreter der gesamten Internet-Community aufspielt. Ich nutze selbst das Internet von Anfang an und fühle mich überhaupt nicht dadurch beeinträchtigt, dass kinderpornographische Seiten aus dem Inland wie aus dem Ausland gelöscht oder gesperrt werden. Das Internet ist kein rechtsfreier Raum.

Quelle der Rede

Wirklich ein klarer Fall für das Forrest-Gump-Prinzip? Ich bin mir da nicht so sicher. Ziehen wir ein paar mögliche Beweggründe in Betracht.

Dummheit
Raabe ist laut eigener Homepage promovierter Politologe, was einfache Dummheit eher unwahrscheinlich macht.

Unwissenheit
Daß Politiker nicht (genau) wissen, worüber sie eigentlich reden, kommt ja gerne mal vor. Aber jemand, der das „Internet von Anfang an nutzt“ (seine eigenen Worte), sollte man einen gewissen Sachverstand in Sachen Internet voraussetzen. Also können wir auch diesen Punkt erst einmal außen vor lassen.

Okay, Raabe ist also weder dumm noch unwissend. Trotzdem diffamiert er und greift Kritiker der Internetsperren an, natürlich mit den beliebten rhetorischen Tricks Dinge ‚richtigzustellen‘, die niemand behauptet hat. Was könnte ihn dazu bewegen? Ich habe da eine Vermutung:

Verzweiflung
Das Thema Internetsperren ist wie großer Kübel stinkende Scheiße, jeder, der Ahnung hat, erkennt auf Anhieb, daß und wie sehr die Sache stinkt. Leider haben viele Menschen nicht den Mut oder das Rückgrat, ein schlechtes Gesetz einfach abzulehnen und eine bessere Lösung als Gesetzesvorlage einzubringen. Lieber stimmt man einem Kompromiß zu, der nicht selten die Nachteile beider Vorlagen miteinander verbindet. Aber was ist, wenn das rauskommt? Dann muß man, ach was, dann kann man eigentlich nur noch die Kritiker der eigenen Gesetze diffamieren. Sachliche Auseinandersetzung, ob der eigene Lösungsvorschlag wirklich eine gute Lösung darstellt, kann man nicht mehr führen. Also schaltet mancher Politiker reflexhaft auf den Modus „Ich habe keine Argumente mehr (oder ich hatte noch nie welche), aber ich kann professionell beleidigen oder die Wahrheit verdrehen.“

Ich habe den Eindruck, daß genau das in diesem Falle am ehesten geeignet ist, das Verhalten von Dr. Raabe zu erklären. Allerdings will ich Dummheit, Ahnungslosigkeit oder Bösartigkeit auch nicht ganz ausschließen.

5 Kommentare zu „Mal wieder ein Fall für das „Forrest-Gump-Prinzip“?“

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About Nik

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