Mehr Arbeit durch Mehrarbeit?

In Bayern gehen die Uhren bekanntlich anders. Nun lese ich bei Spiegel Online, daß der Freistaat Bayern seine Staatsdiener ab September 2004 länger arbeiten lassen will. Mehr Geld für längere Arbeitszeiten gibt es freilich nicht. Begründet wurde diese Maßnahme, weil der Staat sparen müsse und bei seinen Bediensteten keine Ausnahme machen dürfe.

Eine Erhöhung der Anwesenheitszeit von 40 auf 42 Wochenstunden entspricht einer Erhöhung um 5%. Wird die geleistete Arbeit um 5% ansteigen? Glaubt irgendjemand, daß nun alles besser werden würde? Daß nun mehr gearbeitet würde? Daß mehr erledigt würde?

Ich glaube das nicht. Warum? Für mich liegen die Gründe auf der Hand:

Staatsdiener, ob nun beamtet oder nicht, neigen zu einer gewissen Trägheit. Nicht, weil die Menschen von sich aus dumm, faul oder träge seien sondern weil das System Trägheit nicht bestraft bzw. manchmal fast schon belohnt. Staatsdiener haben sich oftmals ein Verhalten angewöhnt, auf die Rahmenbedingungen so geschickt zu reagieren, daß Anordnungen formal befolgt, faktisch jedoch ausgehebelt werden. Alles genau nach Vorschrift. Also ist auch niemand zu belangen. So ist das System. Dahin hat es sich entwickelt. Und keine Regierung hat daran etwas ändern wollen und das auch tatsächlich getan.

Ab jetzt wird niemand mehr unbezahlte Überstunden machen sondern noch penibler als sonst dafür sorgen, daß ja nicht zuviel Anwesenheit am Arbeitsplatz erfolgt. Ich formulierte es bewußt als „Anwesenheit am Arbeitsplatz“, denn auf die tatsächliche geleistete Arbeit das das zunächst keinen Einfluß.

Ich bin sicher, nun wird man sich mal öfter einen Trag frei machen, in dem man „krank“ sein wird. Mit einem Tag „Krankheit „mehr pro Monat (vier Wochen) wird die neue Regelung völlig ausgehebelt. Oder man ist zwar „auf dem Amt“, aber macht eben mehr Pausen oder hält Besprechungen, in denen hauptsächlich geklönt wird.

Wer wirklich will, daß der Staat mehr erledigt und nicht nur mehr arbeitet, der sehe sich an, wie kompliziert Finanz- oder Verwaltungsvorschriften geworden sind. Experten schätzen, daß drei Viertel aller Vorschriften unnütz, unnötig, zu kompliziert, rechtlich bedenklich oder schlicht falsch seien. Manche Experten gehen weiter und schätzen, daß es sogar 90% seien.

Also, doktern wir nicht an den Symptomen herum, greifen wir das Problem an der Wurzel an. Weg mit vielen blöden Vorschriften. Dann reicht es locker aus, wenn Staatsdiener 35 Stunden pro Woche arbeiten.

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About Nik

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