Mehr Weg dank Mehrweg — Einwegverpackungen vorteilhaft?

Shopblogger Björn Harste ist Lebensmitteleinzelhändler und berichtet aus seinem Supermarkt. Er schreibt:

· Einweg-PET-Flaschen und Dosen werden einfach und bequem in großen Säcken gesammelt, die hier täglich abgeholt werden. Die Stellfläche beträgt rund 2 Quadratmeter, die Sortierarbeit geht gegen Null, der Lageraufwand ebenso.

· Mehrweg ist deutlich aufwändiger: Über 40 verschiedene Kistentypen (!!!) stehen hier im Lager. Diese müssen natürlich so gelagert sein, dass man alle verschiedenen Flaschentypen einsortieren kann. Volle Kisten werden hier auf insgesamt 7 verschiedenen Palettenplätzen gesammelt – der gesamte Platzbedarf ist phänomenal.
Dazu kommt, dass leere Rahmen ohne Flaschen mitunter wochen- oder monatelang nicht lieferbar sind. Die Konsequenz: Es werden lose Flaschen in Kisten gelagert (Platzbedarf, Kapitalbindung, Arbeitsaufwand) oder, wie ich es mir selber inzwischen auch immer dreister erlaube, einfach in die völlig falschen Rahmen gesteckt. Ich sehe keine andere Möglichkeit, dem Mehrweg-Chaos Herr zu werden.

Ich habe das zum Anlaß genommen, mir mal mein eigenes Einkaufsverhalten anzusehen. In meiner Nachbarschaft sind LIDL und Famila.

Bei LIDL gibt’s nur Einwegverpackungen, bei Famila auch viel in Mehrwegverpackungen. LIDL bietet mir die Möglichkeit, das Leergut schnell und einfach in die beiden Automaten zu stecken. Der Automat verschluckt die Flaschen schneller, als ich ihn füttern kann.

Bei Famila muß ich einmal um den ganzen (relativ großen Markt) herumlaufen, um zur Getränke-Abteilung zu kommen. Dann muß ich mich dort anstellen, um mein (Mehrweg-)Leergut einem Menschen in die Hand drücken. Der Mensch druckt an seiner Kasse dann einen Bon aus, mit dem ich mich bei der nächsten Kasse des Getränkemarktes anstellen muß, um mein Geld für das Leergut zu bekommen, was ich als Mehrwegverpackung im ’normalen‘ Teil des Marktes kaufte. Das alles kostet mich dann bis zu einer Viertelstunde Zeit.

In meinem sehr subjektiven Vergleich ist ein Einwegverpackung der klare Gewinner. Sie ist deutlich leichter, für mich schneller und einfacher zu entsorgen.

Ob diejenigen, die uns das Pflichtpfand für Einwegverpackungen beschert haben, sich Gedanken darüber gemacht haben, daß sie zu den Totengräbern der Mehrwegverpackungen gehören würden?

1 Kommentar zu „Mehr Weg dank Mehrweg — Einwegverpackungen vorteilhaft?“

Kommentieren

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

Archiv
  • 2018 (8)
  • 2017 (38)
  • 2016 (18)
  • 2015 (21)
  • 2014 (61)
  • 2013 (78)
  • 2012 (91)
  • 2011 (67)
  • 2010 (99)
  • 2009 (105)
  • 2008 (96)
  • 2007 (94)
  • 2006 (83)
  • 2005 (123)
  • 2004 (129)
  • 2003 (30)
Kategorien