Mein Erlebnis im Paternoster-Aufzug

Manche Geschichten kann nur das Leben schreiben und viele von ihnen sind zu schön, um sie einfach sang- und klanglos verschwinden zu lassen, sie müssen einfach aufgeschrieben und bewahrt werden, so auch diese.

Beim Zusammensuchen des Altpapiers für die Entsorgung entdecke ich einen Teil aus der Frankfurter Allgemeinen Zeitung, genauer die Beilage „Technik und Motor“ vom 29. September 2009. Dort war zu lesen, daß, nach langer Zeit, wieder ein neuer Paternoster in Betrieb ging. Paternoster, einige von uns erinnern sich, sind eine besondere Form der Personenaufzüge, die früher sehr beliebt waren, jedoch bauartbedingt weder für Rollstuhlfahrer noch für den Lastentransport geeignet sind und wegen dieser und anderer Gründe stillgelegt werden sollten. Inzwischen haben Paternoster jedoch viele bekennende Anhänger, so daß Ihr Ende doch nicht so schnell kommen wird, wie einst beschlossen.

Meine Geschichte ereignete sich vor vielen Jahren, in jenem Sommer arbeitete ich als Student ein paar Monate in einem alten Gebäude, in dem ein Paternoster seinen Dienst versah und Menschen von einem Stockwerk zum nächsten beförderte. An meinem zweiten Tag sollte ich eine Führung durch das Gebäude bekommen, wo ich was finden würde und auch offiziell vorgestellt werden sollte. Mein Abteilungsleiter war jedoch verhindert, so daß die Azubine, nennen wir sie Mara, den ersten Part übernahm. Mara und ich teilten uns eine Schreibtischgruppe und hatten bereits am Vortrag herausgefunden, daß wir auf einer Wellenlänge lagen und teilweise in denselben Lokalen verkehrten. Mara  spielte also die Fremdenführerin und erklärte mir die wichtigsten Gebäudeteile. Das Gebäude wurde einst aus verschiedenen Häusern zusammengebaut, um dem immer größer werdenden Platzbedarf des Unternehmens gerecht zu werden, was zur Folge hatte, daß es weder eine einheitliche Architektur noch übersichtliche Strukturen gab. Wir kamen zum Paternoster, ich war noch nie mit so einem Aufzug gefahren, erklärte mir Mara, was ich wissen mußte, um ihn gefahrlos benutzen zu können. In jedem Stockwerk stiegen wir aus, sie erklärte mir, welche Abteilung sich dort befand und auch welche Besonderheiten ich bei der Abteilung oder im Umgang mit deren Mitarbeitern beachten sollte. Ich versuchte mir alles zu merken, während wir uns Stockwerk um Stockwerk emporarbeiteten.

Irgendwann kamen wir ganz oben an. Dort gab es kleine Räume, nach heutigen Vorstellungen bessere Kabuffs, die nur noch als Aktenlager genutzt wurden und deswegen alle verschlossen waren.  Ein Raum wurde in seiner ursprünglichen Einrichtung aus den frühen Tagen des 20. Jahrhunderts belassen, er diente Besuchern und neuen Mitarbeitern als Anschauungsobjekt und war daher unverschlossen. Diese Etage wurde sonst nicht genutzt, niemand verirrte sich hierher. Die Luft hier oben unter dem Dach war an diesem heißen Sommertag sehr warm, man konnte über 100 Jahre Firmentradition förmlich riechen.

„Weißt du eigentlich, was passiert, wenn man im Paternoster nicht oben aussteigt?“ fragte Mara mich? Auch wenn ich heute das erste mal in meinem Leben Paternoster gefahren war, wußte ich, daß die Kabinen, entgegen manch erzählter Geschichte, eben nicht umgedreht werden und antwortete „Nichts passiert“.

„Dann warte mal ab und bleib hier stehen, ich zeige es Dir“ sprach Mara, stieg in eine Kabine des Paternosters, verschwand mit ihr langsam nach oben und ich hörte oben ein Rumpeln, als die Kabine ihre Richtung wechselte. Langsam wurde die Kabine auf der anderen Seite sichtbar und ich staunte nicht schlecht, als ich Mara im Handstand sah. Auf Händen gehend verließ sie die Kabine und fragte „Glaubst Du mir jetzt?“, stand auf und bemerkt erst jetzt, daß ihr Kleid bis zum Bauch gerutscht war. Ich bin sicher, mein verdutztes Gesicht war ihr Belohnung genug.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
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