Meine Keine Spende für Wikipedia!

Eigentlich wollte ich auch dieses Jahr etwas für Wikipedia, genauer deren deutschen Förderverein, spenden. Ich benutz(t)e Wikipedia oft und gerne, überarbeite auch mal einen Artikel, korrigiere hier und da einen Tippfehler oder eine kleine (sprachliche) Ungenauigkeit. Da ist wäre es nur angemessen, sich an diesem Werk für alle auch mit einer Spende zu beteiligen.

Vor einem Jahr, als Lutz Heilmann der Wikipedia einen juristischen Maulkorb verpassen wollte, hatte ich auch gespendet. Es wäre also Zeit für die erneute jährliche Spende.

Doch in letzter Zeit ist Wikipedia nicht nur ein Quell‘ der Freude. Zu oft ist zu lesen, daß Artikel nicht den „Relevanzkriterien“ entsprächen und daher nicht aufgenommen oder gar wieder gelöscht würden. Mein aktueller Stein des Anstoßes ist die Wau-Holland-Stiftung. Auch dieser Artikel soll(te) gelöscht werden. Nicht relevant genug. Wau Holland, einer der Gründer des „Chaos Computer Club e.V.“ (auch irrelevant?) . Der CCC berät unter anderem den Deutschen Bundestag (auch irrelevant?) und hat einen wesentlichen Beitrag geleistet, die Öffentlichkeit für Belange von Datenschutz (auch irrelevant?) zu sensibilisieren.

Gut, nicht jedes Thema mag jedem Menschen gleichermaßen relevant erscheinen. Aber nachdem die großen und wichtigen Themen ‚abgefrühstückt‘ sind, sind es auch die kleinen und vermeintlich weniger relevanten Themen, die es wert sind, in ein Nachschlagewerk aufgenommen zu werden. Ob der Benutzer einen Eintrag als relevant oder nicht ansieht, entscheidet — Nein, nicht mehr eine Redaktion von selbsternannten Herrschaftswissenverwaltern — der Benutzer selbst.

Ich möchte entscheiden dürfen, ob mit ein (kleines und unbedeutend scheinendes) Puzzle-Stück einer vermeintlich irrelevanten Sache weiterhilft oder nicht. Dazu brauche ich keinen ‚Großen Bruder‘, der entscheidet, welche Informationen für mich relevant, wichtig, richtig und gut sind und welche nicht. Wir sind hier nicht bei Fahrenheit 451 und leben auch nicht 1984.

Viele FAQ oder Support-Seiten stellen dem Leser die Frage „War diese Information hilfreich oder zutreffend?“ um zu erfahren, was der Benutzer davon denkt und wie zufrieden er mit diesem Hinweis war. Vielleicht ist das ein Weg, um vermeintliche Irrelevanz von den Beutzern feststellen zu lassen?

Und solange kleine und unbedeutende Flüßchen von 20 Kilometern Länge wie die Maurine relevant genug sind, um in der Wikipedia Bestand zu haben, sollte man sich mit dem Löschen zurückhalten und sich vielleicht ein anderes Hobby suchen.

Ich habe beschlossen, der Wikipedia bzw. dem Verein Wikimedia dieses Jahr kein Geld zu spenden. Wenn Vernunft über Löschwahn siegt, werde ich wieder spenden, versprochen!

11 Kommentare zu „Meine Keine Spende für Wikipedia!“

  • Vorab: Natürlich bleibt es jedem selbst überlassen zu spenden oder nicht. Ich kann auch gut verstehen, dass man nur für Projekte spendet, mit denen man sich voll identifiziert und die man entsprechend unterstützenswert findet. Vor allem: Wenn man sich gerade über ein Projekt ärgert ist es wohl verständlich, dass man von einer Spende eher absieht.

    Aber ich möchte wenigstens zu bedenken geben: Die Wikipedia ist inzwischen ein riesiges Projekt geworden, an dem sich eine Vielzahl unterschiedlicher Leute beteiligt. Die Ansichten der Beteiligten unterscheiden sich massiv. Meiner Meinung nach sollte man bei einer Spendenentscheidung versuchen, das Gesamtbild zu bewerten – und nicht einzelne, wenn auch wichtige Aspekte alleine zu betrachten.

    Unbestreitbar ist die Wikipedia ungeheuer nützlich und braucht weiterhin (auch finanzielle) Unterstützung – gleiches gilt für die anderen Projekte und die Arbeit der Wikimedia Foundation und des Wikimedia Deutschland e.V.

    Es betrübt mich sehr, dass eine Gruppe von Nutzern die meiner Einschätzung nach obsessiv exklusionistisch vorgeht und das – wiederum meiner persönlichen Einschätzung nach – nicht aus dem Hauptgrund heraus tut, die Wikipedia zu verbessern, es schafft, die Spendenbereitschaft negativ zu beeinflussen. Vor allem, weil dadurch die Arbeit der vielen Menschen, die diese Sicht nicht teilen, aus dem Gesichtsfeld verschwindet.

  • (PS: Ich sollte zum vorigen Posting noch hinzufügen, dass ich Vorstandsmitglied im Wikimedia Deutschland bin.)

  • Natürlich soll(te) man sich das Gesamtbild und nicht nur ein Mosaiksteinchen ansehen, um eine fundierte Entscheidung zu treffen.

    Aber wenn man sich ausreichend über eine (vermeintliche) Kleinigkeit ärgert, dann ist — Pars pro toto — erstmal das Ganze ‚gestorben‘. Es nützt nix, wenn $Autohersteller am Tag 10.000 Autos baut, von denen 9.995 fehlerfrei sind, wenn ich eines der „Montagsautos“ habe, habe ICH den Ärger damit und reagiere entsprechend.

    Nicht nur ich stecke in einem Dilemma:

    Spende ich trotzdem, unterstütze ich Wikiepdia und deren wertvolle Arbeit als ganzes, unterstütze aber auch die destruktiven Kräfte, die Wikipedia in meinen Augen gerade gefährden.

    Spende ich nicht, schade ich auch denen, die bei Wikipedia wertvolle Arbeit leisten. Aber nur wenn deutliche und objektive Signale vorliegen (zu geringes Spendenwachstum oder gar -rückgang) geben den vernünftigen Köpfen in der Wikipedia ‚Munition‘ gegen die „Exkludisten“ genannten Löschfans.

    Wie ich mich entscheide, entscheide ich mich falsch.

    Es wäre wirklich dumm und sehr schade, gelänge es den „Exkludisten“, ihren jetzigen Einfluß weiterhin auszuüben oder gar auszuweiten. Ich bin mit der Meinung, Wikipedia steht am Scheideweg und muß sich von einigen Leuten trennen, offenbar nicht ganz alleine. Ich werde abwarten und zusehen, in welche Richtung sich Wikipedia entwickelt.

  • AndreasP schrieb:

    Die zwei, drei Sätze in dem Artikel zur Stiftung wären in dem Artikel zu Wau Holland besser aufgehoben. Das hat nichts mit Löschwahn zu tun, sondern mit Benutzerfreundlichkeit. Die Zersplitterung von Informationen über zig Artikel ist jedenfalls nicht gerade das Gelbe vom Ei.

  • Anderer Gregor schrieb:

    avatar: Betrübt es Dich, dass nicht mehr gespendet wird? Dann frage ich Dich, mit welcher Begründung Ihr Spenden haben wollt, wenn Euer Einfluß nicht einmal reicht, die Selbstzerfleischung der de.WP zu stoppen.

    Oder betrübt es Dich, was gerade mit der de.WP passiert? Dann geht es Dir wie uns, denen, die WP für ein unglaublich wertvolles Projekt halten, an dem sie oft selbst auch einmal mitgeholfen haben (bis sie durch die Fahrenheit 451-Truppe vergrault wurden). Und die mit Entsetzen sehen, wie dieses Trüppchen mit Unterstützung oder zumindest stillschweigender Billigung von oben dieses Projekt kaputtzumachen versucht. Die sich aber im Gegensatz zu den verbleibenden Wikipedianern nicht damit abfinden will, sondern von Außen auf das Problem aufmerksam macht … und sich dafür auch noch als Zombiearmee, Idioten, willfährige Jünger und schlimmeres beschimpfen lassen muss. Glaub mir, wenn uns die WP egal wäre, würden wir Euch einfach ignorieren.

    Und nicht vergessen: Wer hat denn bei der Heilmanngeschichte für so viel Öffentlichkeit gesorgt, dass der medienwirksam zurückrudern musste?

  • @AndreasP

    Natürlich kann man sich fragen, wie man Wissen organisieren will. Gerade bei kleinen Themen stellt sich die Frage, ob mehrere kleinere oder ein großer Artikel besser sind.

    Das Lemma „Wau-Holland-Stiftung“ könnte dann auf den Artikel zur Person und den dortigen Unterpunkt „Stiftung“ zeigen.

    Ich bin sicher, niemand hätte ein Problem, wäre der Artikel zur Wau-Holland-Stiftung in den Artikel zu Wau Holland verschoben worden, und das Lemma wäre ein Verweis. Löschanträge haben (nicht nur auf mich) eine gewisse Wirkung. So wurde der Eindruck erweckt(!), das Thema hätte komplett gelöscht werden sollen. Und genau DIESER Eindruck ist verheerend.

    Der ursprüngliche Ansatz der Wikipedia war doch: Das gesamte Wissen der Welt! Da leuchtet ein, daß nicht jeder Artikel ein Glanzlicht sein kann.

    „Deutsch sein heißt, eine Sache um ihrer selbst willen zu übertreiben.“ mag als Anekdote ganz lustig sein. Wir Deutschen neigen dann manchmal zur Überperfektionierung. Autoren und Admins, getrieben von dem Ehrgeiz sind, besser als etablierte Nachschlagewerke auf Papier zu sein, laufen dabei dann gefahr, das Kind mit dem Bade auszuschütten.

  • AndreasP schrieb:

    Das ist ein guter Ansatz: der _Eindruck_, denn die Löschanträge erwecken, ist in der Tat verheerend. Sogar unser Baustein, der nur „Bitte Quellen nachtragen“ sagen sollte, ist mit einer roten Karte bewehrt und droht mit Löschung. Das ist ein klares Manko.

    Dass dieser Eindruck auf wohlwollende Neulinge und gerade auch für ältere Internet-Einsteiger aus der Wissenschaft so abschreckend ist, ist schade, und gehört dringend geändert. Dass nun aber ausgerechnet die Internet-Urgesteine, die Großdenker der deutschen Blogger- und CCC-Szene zu blöd sind, das Wort „Antrag“ zu verstehen und es mit „Diktatorische Willkürentscheidung“ verwechseln und dann auch gleich die angeblichen Willkürer als „Löschnazis“ beschimpften, das hat bei den vielen freiwilligen Wikipedianern eben auch einen gewissen Eindruck ausgelöst. Und der war auch nicht gerade positiv.

    Aus gegenseitigen derart negativen Eindrücken lässt sich leider nur schwer eine Diskussion aufbauen. Vielleicht wenn sich die Wogen etwas geglättet haben.

    Auch hat sich niemand die Mühe gemacht, den Vorspann zu den „Relevanzkriterien“ mal zu lesen und zu erkennen, dass das Inklusions-, keine Exklusionskriterien sind. Zugegebenermaßen ist das aber auch in der Löschdiskussion der Wikipedia kaum bekannt. Auch das muss sich dringend ändern. Ganz ohne Relevanzkriterien geht es nicht, da bin ich aus langer Erfahrung ganz sicher. Natürlich sind die anfangs von einem harten Kern ausgeklügelt worden, haben sich immer feiner verästelt und sind jetzt eine Mischung von überbürokratischen Einzelvorschriften und großzügigen Generalisierungen, die über dem Wust an Kleinigkeiten allzuschnell von den ganz eifrigen Löschdiskutanten (und evtl. auch einigen die Diskussionen beurteilenden, löschende Admins) überlesen werden. Da ist ebenfalls Änderungsbedarf.

  • Aumann schrieb:

    Immer dieses Geweine.

    Jeder kann auf nichtgesperrte Artikel einen Löschantrag stellen. Weißbier hat es gemacht, doch der Artikel ist behalten worden. Wo ist das Problem?

  • @AndreasP

    Sich gegenseitig aufschaukelnde Emotionen sind ja selten geeignet, Probleme emotionslos auf der Sachebene anzugehen. Ich hoffe, daß sich die Wogen glätten werden.

    Vielleicht helfen auch Moderatoren, zwischen den anscheinend verfeindeten Lagern zu vermitteln. Die Sache an sich ist zu wichtig, um sie fahrlässig zu zerstören. (Wie war das mit der „Judäischen Volksfront“ und der „Volksfront von Judäa“?)

    Daß die Relevanzkriterien so eine Sache sind, glaube ich gerne, daß drei Benutzer vier, oder im Zweifel auch fünf, unterschiedliche Ansichten haben, was relevant ist und was nicht, leuchtet ein.

    Aber daß einige Artikel tatsächlich (für kurze Zeit) verschwanden, um dann wieder aufzutauchen, bestätigt alle, die sich von „Löschnazis“ verfolgt sehen.

    Ich kann den Ausdruck nicht gutheißen, verstehe aber, daß manche Menschen sehr ungute Assoziationen mit allem haben, was auch nur im Entferntesten nach „Digitaler Bücherverbrennung“ zu tun hat.

    Es sieht so aus, als ob man die Probleme erkannt hätte, nun bin ich gespannt, ob es gelingen wird, die Probleme auch zu lösen.

  • AndreasP schrieb:

    Dass einige Artikel verschwanden, um wieder aufzutauchen, belegt andererseits auch, dass es sich eben nicht um eine totalitäre Veranstaltung handelt (die verbrannten Bücher tauchten eben nicht wieder auf!), sondern um ein System, das durchaus gewisse „checks and balances“ enthält.

  • @AndreasP

    Natürlich kann man verbrannte Bücher nachdrucken oder Kinder, die in den Brunnen fielen, wieder aus selbigem befreien.

    Allerdings erzeugt bereits das Löschen von Artikeln bei vielen Menschen Assoziationen an Bücherverbrennungen und den Geist der Intoleranz und Unfreiheit. Der Gedanke an „Checks and balances“ ist nur bedingt geeignet, die entstandenen Eindrücke wieder auszugleichen.

    In Gesetzbüchern finde ich es hilfreich, wenn gestriche Paragraphen — versehen mit dem Hinweis, daß und seit wann sie nicht mehr gültig sind — noch nachzulesen sind.

    Bei irrelevant gewordenen Wikipädia-Artikel könnten ähnlich verfahren werden. Der geneigte Leser kann sich dann überlegen, ob und wie weit er sich den Empfehlung ‚der Redaktion‘ anschließen möchte.

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heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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