Nachts auf der Straße

Es war spät am Abend, sie hatte einen langen und anstrengenden Tag hinter sich, es war lange dunkel und sie fuhr auf der Landstraße nach hause. Sie freute sich, endlich ihr Zeug abzuwerfen, ordentlich zu verstauen, so wie sie es immer macht, und dann auf eine heiße Dusche. Vielleicht noch etwas fernsehen auf dem Sofa oder gleich ins Bett mit einem guten Krimi.

Wie immer fuhr sie nicht zu schnell, sie hielt sich an das Tempolimit. Zum einen war die Nacht dunkel, die Straße kurvig und nicht ungefährlich, dann gab es gerne mal Wildwechsel. Einheimische wissen das und fahren fast immer sinnig.

Das Auto hinter ihr, genauer dessen Fahrer, wäre gerne schneller gefahren, fuhr sehr dicht auf, machte aus der Drei-Sekunden-Regel[1] eine Halbsekunden-Regel, konnte aber nicht überholen. Der Fahrer des Autos blieb aber so uneinsichtig wie die Straße uneinsehbar und versuchte es immer wieder. erfolglos.

An einer roten Ampel hiel sie an. Diese Chance wollten sich die Insassen des sportlichen Kleinwagens offenbar nicht entgehen lassen, stiegen aus, liefen auf die Fahrertür ihres Autos zu. Ihr sechster Sinn hatte sie in den Rückspiegel blicken lassen, sie hatte die beiden jungen Männer kommen sehen. Mit einer geübten Handbewegung löste sie ihren Sicherheitsgurt, schob ihn zurück und ließ ihn sich aufwickeln. Nur noch wenige Schritte, gleich würde einer der beiden jungen Männer wahrscheinlich die Tür aufreißen. Seine Körpersprache deutete jedenfalls nicht an, daß er sie höflich auf ein defektes Schlußlicht würde hinweisen wollen. Noch einige Schritte, dann waren die beiden Männer an ihrer Fahrertür. Sie hatte keine Angst, sie hatte…

… ihre Dienstwaffe aus dem Gürtelholster gezogen und hielt sie den beiden jungen Männern entgegen. Die beiden hatten mit allem gerechnet, auf eine total verängstige Frau gehofft, der sie einen Riesenschrecken würden einjagen können, aber nicht damit, in die Öffnung einer geladenen Polizeipistole Kaliber 9 Millimeter zu sehen.

Der Hinweis „Wenn ich Euch jetzt erschieße, dann wird mir der Richter sofort glauben, daß es Notwehr war“ mit dem Zusatz „Ich bin eine ausgezeichnete Schützin, nur zwei Schuß, jedem von Euch einen in die Herzgegend, und es gibt nicht mal Zeugen“ verfehlte seine Wirkung nicht. Die jungen Männer machten sich vor Angst fast in die Hosen. „Also Jungs, macht so einen Scheiß nie wieder. Und fahrt gefälligst vernünftig, besonders auf Straßen, die so kurvig und gefährlich sind wie diese hier.“

„Nun nun setzt ihr Euch in Euer Auto, schnallt Euch an und fahrt schön langsam weiter, denn grüner wird’s nicht. Ich fahre hinter Euch her und behalte Euch im Auge. Und macht keinen Scheiß, sonst sind meine Kollegen in grün schneller da, als ihr denken könnt.“

Die beiden taten wie angewiesen und sie freute sich auf ihre Dusche. Und daß sie irgendwann mal eine Geschichte zu erzählen haben würde. Was hiermit geschehen ist.

1.) Die Drei-Sekunden-Regel besagt, daß man soviel Abstand halten soll, daß das eigene Fahrzeug drei Sekunden nach dem vorausfahrendem einen festen Wegpunkt passiert. Das ist einfacher als eine Schätzung „Halber Tachobstand in Metern“. Bei schwierigeren Umständen (Regen, Schnee) kann und sollte man die drei Sekunden auf fünf Sekunden ausdehnen.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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