#Neuland

Betreten wir wirklich #Neuland, wenn es um das Internet geht? Was für eine dumme Frage. Wirklich?

Wer diesen Text hier liest, ist eigentlich nicht die Zielgruppe, ist längst angekommen in Digitalien ooder in unserer modernen Welt. Aber was ist mit den anderen? Den Menschen, die denken, wir wären nicht normal, weil wir morgens nach dem Wachwerden erstmal unseren PC anmachen, dann ins Bad gehen und dann — natürlich online, wie denn auch sonst? — lesen, was in der Welt passiert ist?

Diese Menschen bezeichnen uns gerne als „computersüchtig“ oder „internetsüchtig“. Ist das wirklich so?

Bemühen wir mal Vergleiche: Fast jeder benutzt elektrischen Strom. Morgens weckt einen der (elektrische) Radiowecker, wir schalten das (elektrische) Licht ein, benutzen die (elektrische) Maschine, um uns Kaffee zu kochen, gehen dann ins Bad. Dort benutzen wir (elektrische) Zahnbürsten, (elektrische) Rasierapparate, vielleicht einen (elektrischen) Fön. Dann ziehen wir Kleidung an, die von einer (elektrischen) Waschmaschine gewaschen und von einem (elektrischen) Wäschetrockner getrocknet wurde. Und auch das Bügeleisen wird mit Strom statt mit glühenden Kohlen beheizt …

Fühlen sich Menschen deswegen stromsüchtig? Fühlen sich Menschen wegen ihrer „Stromsucht“ deswegen schlecht?

Natürlich nicht. Strom ist heute selbstverständlich. Er kommt aus der Steckdose. Wie empfinden Strom als so selbstverständlich, daß wir uns (zu) wenig für seine Herstellung interessieren. Strom ist da. Punkt. Und wenn er mal nicht da ist, haben wir ein Problem.

Und nun zurück zum Thema: Internet. Internet zu haben und zu nutzen ist noch(?) nicht so selbstverständlich wie Strom zu haben und zu nutzen. Noch immer gibt es Gegenden in Deutschland, in denen schnelles Internet keine Selbstverständlichkeit ist. Stellen wir uns einmal Straßenzüge vor, in denen kein Strom verfügbar wäre, vor. Und-denk-bar? Aber flächendeckende Verfügbarkeit von (V)DSL ist immer noch nicht gegeben.

Gut, seien wir ehrlich, wir sind die Speerspitze der Entwicklung. Ich habe mal überlegt, seit wann ich online bin, es sind fast 30 Jahre. Galten Mailboxen früher als Geheimtip, kennt sie heute kaum noch jemand. Dann war ich bei der Gründung eines kleinen privaten Internet-Providers dabei (Offenes Netz e.V), den Verein gibt es heute als Provider auch schon lange nicht mehr. Internet kommt inzwischen vielerorts aus der (Telefon- oder Kabelfernsehen-) Steckdose.

Wir haben Webseiten mit der Hand ‚gestrickt‘, lange bevor es dafür spezielle Werkzeuge oder Baukästen gab. Ja, wir waren Helden, damals.

Doch immer sind weite Teile der Bevölkerung nicht da, wo wir heute sind. Klar, das dauert. Wieder ein Vergleich:

Jahrhunderte nutzte der Mensch das Pferd. Als Arbeitstier. Und um in das nächste Dort zu kommen. Ja, viele Menschen sind damals nicht weit herumgekommen, blieben in einem (recht) engen Radius um ihren Geburtsort. Wer doch in das nächste Dorf (oder noch weiter weg wollte), der sattelte ein Pferd oder spannte die Pferde an.

Dann (1886) wurden plötzlich pferdelose Kutschen erfunden. Nach und nach wurde das Pferd durch das Automobil (teilweise zunächst durch das Motorrad) verdrängt. Nach zwei Jahrzehnten (1906) war das Auto in den ersten großen Städten Alltagsbild. Und dann noch ein paar Jahrzehnte, bis nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Wirtschaftswunder (1956~1966) danach jeder vom eigenen Automobil nicht nur träumen konnte. Heute, so runde 120 Jahre später sind wir lange in einer mobilen Gesellschaft angekommen und das Autobobil ist nicht mehr wegzudenken. (Ja, ich kann reiten, einigermaßen zumindest, aber sehe das Pferd als Partner für Sport und Freizeit. Und ich fahre mit dem Auto zum Pferd…)

Genug Vergleich, zurück zum Neuland. Ich denke, es wird noch eine Weile dauern, bis Internet und seine Nutzung für uns genauso selbstverständlich sein wird, wie es heute Strom und Automobil sind.

Seien wir ehrlich, welche Veränderungen die Zukunft bringen wird, wenn alle und alles vernetzt sein werden, was das für unser Leben bedeuten wird, können wir uns heute so wenig ausmalen wie sich einst Berta Benz die modernen Innenstädte von heute vorstellen konnte.

Es bleibt spannend.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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