Nik unterwegs: Strangers in the night – Fortsetzung

Wieder mal will ich zum Hamburger Flughafen. Ich habe aus meinen Fehlern gelernt und fahre jetzt über den Horner Kreisel. Ich bin auf die Minute pünktlich, der Flieger nicht. Das Kunstwerk, das meine Wartezeit bei einem der letzten Besuche dort überbrückte, ist leider nicht mehr da.

Wartezeit ist oftmals mit Langeweile verbunden. Das ist schade, denn man kann solche Wartezeiten durchaus sinnvoll überbrücken. So stromerte ich durch die Flughafenhalle und ließ meine Blicke und Gedanken schweifen.

Der nette kleine Laden mit tausend leckeren Süßigkeiten ist verschwunden, an ihn erinnern nur noch die Aufkleber an den Fensterscheiben der leeren Nische. An einem Pfeiler, die eine Anzeigetafel tragen, hängt nun ein Defibrilator für den Selbsteinsatz, jedenfalls sah es mir danach aus. So genau konnte ich mir das nicht ansehen, denn das Gerät ist in einer alarmgesicherten Box, die zu große Neugierde meinerseits mit einem lauten Pfeifen quittiert hätte. So neugierig war ich dann doch nicht – außerdem ist so ein Gerät ja auch nur für den Notfall da.

Ich bewegte mich weiter durch die Halle und fragte mich, wie es wohl im Obergeschoß aussähe. Die Rolltreppe brachte mich der Antwort auf diese Frage näher. Ich bin immer noch von der Größe der Halle beeindruckt. Weil es gestern abend schon spät war und kaum Menschen in der Halle waren, wirkte die Größe der Halle noch imposanter. Das Dach hatte die Wölbung eines Flugzeugsflügels, durchaus passend für ein Gebäude an diesem Ort. Während ich die Stimmung des Ortes in mich aufsog, wurde ich unruhig, ob der Flieger vielleicht schon gelandet sei. Ich fuhr mit der Rolltreppe wieder runter um die Anzeigetafeln der ankommenden Flüge zu kontrollieren.

Ich hatte noch Zeit und fuhr wieder mit der Rolltreppe nach oben in die große Halle. Ich fahre gerne mit Rolltreppen. Seit meine Oma mir das Fahren auf Rolltreppen in einem großen Kaufhaus beibrachte, fahre ich gerne mit Rolltreppen. Sie bewegen mich nicht nur von einem Stockwerk in ein anderes, sie ändern auch meine Sicht auf die Dinge. Was man eben von aus der einen Perspektive gesehen hat, sieht man nur Sekunden später aus einem anderen Blickwinkel. Ich bekam nicht genug davon, die große Halle aus sich einer ständig veränderten Sicht zu sehen. Also tat ich, was sich wohl nur die wenigstens Menschen jemals getraut haben, ich fuhr immer wieder hoch und runter mit der Rolltreppe. Ich wollte schon als Kind solange mit der Rolltreppe fahren, bis mir schwindlig wurde. Damals wurde nichts draus. Gestern auch nicht. Denn der Flieger kam an und ich war ja nicht zum Spaß da. Naja, eigentlich doch. Denn ich hatte meinen Spaß. Und ich danke meiner Oma dafür, daß sie mir das Vergnügen der Rolltreppe nähergebracht hatte.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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