Noch ein Sommerloch

Friedrich Merz, auch gerne als „Danger-Merz“ verspottet, schlägt vor, den Kündigungsschutz zu kippen, um dafür zu sorgen, daß mehr Jobs entstehen können.

Fast sofort schlug eine Welle der Empörung durch die Medien, allen voran die Lobby der Arbeitsplatz-Inhaber, die Gewerkschaften, und wieder die üblichen Drohungen mit amerikanischen Verhältnissen. Halten wir einen kurzen Moment inne, wischen uns den Schaum vor dem Mund weg und überlegen kurz:

Warum beschäftigen Arbeitgeber (AG) überhaupt Arbeitnehmer (AN)? Nur aus einem Grund, um damit Geld zu verdienen. That’s it! Und wenn ein AG viele Aufträge hat, was kann er dann machen? Er kann bestehendes Personal länger arbeiten lassen. Er kann aber auch neue AN einstellen. Dem AG kann das eigentlich egal sein. Er will seinen Auftrag erledigen. Wie, das ist ihm eigentlich egal.

Wenn die bürokratischen Hürden zu hoch sind, der AG neue AN „an der Backe hat“ und nicht wieder loswerden kann, wenn der Auftrag bewältigt ist, dann werden eben keine neuen AN eingestellt. Insofern ist Aufhebung von Kündigungsschutz ein denkbarer(!) Weg, um mehr Menschen in Jobs zu bringen.

Ich höre den Aufschrei bis hierhin, daß jeder nun sofort Angst um seinen Job haben müsse. Kann man verstehen. Also denken wir mal weiter: Nur für NEUE Jobs gelten keine Kündigungsschutzregeln. Aber halt, dann entstehen ja neue Jobs, aber es gibt ein Zwei-Klassen-System, es gäbe dann AN MIT Kündigungsschutz und AN ohne diesen Schutz. Kann das wünschenswert sein?

Sehen wir uns mal den Arbeitsmarkt an. Viele AG bieten Mini-Jobs oder Teilzeitstellen an. De Fakto gibt es also schon eine Zwei-Klassen-Gesellschaft in der Arbeitswelt.

Und viele Arbeitslose wären sofort bereit, einen Job anzunehmen, an dem sie vielleicht(!) in ein paar Monaten wieder arbeitslos wären. Das ist besser als arbeitslos zu bleiben, für den AN, für die Rentenkasse, für die Steuer. Und vielleicht kann aus einem kurzzeitig Beschäftigten dann so ein Langzeit-AN werden. Das ist besser als ein Langzeit-Arbeitsloser zu bleiben. Ich wäre jedenfalls sofort dabei…

Kommentieren

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

Archiv
  • 2020 (25)
  • 2019 (19)
  • 2018 (48)
  • 2017 (38)
  • 2016 (18)
  • 2015 (21)
  • 2014 (61)
  • 2013 (78)
  • 2012 (91)
  • 2011 (67)
  • 2010 (99)
  • 2009 (105)
  • 2008 (96)
  • 2007 (94)
  • 2006 (83)
  • 2005 (123)
  • 2004 (129)
  • 2003 (30)
Kategorien