Reiseimpressionen Teil 3 — Reiturlaub

Von Leipzig war es zwar kein Katzensprung bis in den Bayerischen Wald, aber freie Autobahnen und gutes Wetter sorgten dafür, dass es wie eine Spazierfahrt anfühlte. „Spazierfahrt“ beschreibt auf dem letzten Streckenabschnitt auch genau mein Tempo. Auf Bundesstraßen gilt ja maximal Tempo 100km/h, aber bergauf ging es dann im 3. Gang mit 75km/h. Bergab habe ich die 100km/h dann schnell wieder erreicht und — Ehrenwort! — natürlich nicht überschritten.

Am Nachmittag dann Ankunft, Kennenlernen der Mitreiter. Auch dieses Jahr waren wir eine sehr kleine Gruppe, ich hatte zwei Mitreiterinnen, die beide schon mal dort waren und sich auskannten. Das ist schon mal ein Glücksgriff. Beide waren dann auch noch menschlich sehr nett und freundlich, das versprach eine tolle Reitwoche. Beim gemeinsames Abendessen wurden dann die Pläne für die Reittouren und die Zuordnung der Pferde auf die Reiter festgelegt

Das Wetter war in der Woche einfach nur eine Wucht: Es war warm, trocken, sonnig. Wenige Tage nach seinem Anfang, zeigte uns der Herbst, dass auch er Sommer kann. Es war so sonnig, dass ich froh war, Sonnenschutz mitgehabt zu haben.

Tag 1:
Zum Eingewöhnen zur Stiehl-Ranch, dort dann Brotzeit. Kannte ich aus dem letzten Jahr, war immer wieder schön.

Tag 2:
Ritt zur Berghütte, mittags mit Weißwurst-Imbiss unterwegs, abends dann mit Übernachtung. Das bedeutet dann Pferde versorgen, tränken, auf die Koppel bringen. Dann Holz für das Lagerfeuer vorbereiten, dann Grillen. Abends dann Feuer im Ofen der Hütte, denn nachts ist es in den Bergen schon recht frisch und der Herbst erinnert einen daran, dass er eben doch kein Sommer ist.
Die Hütte ist rustikal eingerichtet, Strom ist vorhanden, die Quelle aus den Bergen, die Wasser für die Pferde liefert (und zum Waschen und für WC-Spülung) ist derzeit trocken. Wasser wurde in großen Fässern geliefert, war also reichlich da, aber statt „Hahn auf — Wasser marsch“ gab es dann „Eimer marsch“. Da merkt man erst, was Zivilisation in der Praxis bedeutet. Aber für eine kurze Zeit ist das Abenteuer und genau das wollte ich ja.

Tag 3:
Morgens dann mal ohne warme Dusche aufstehen, Zähneputzen dann mit Mineralwasser aus der Flasche, auch das geht. Pferde vorbereiten, also Putzen, Füttern, Satteln. Per Auto kamen dann alle, die nicht in der Hütte übernachtet hatten und dann ritten wir gen Heimat. Mittags wieder mit leckerem Essen.

Tag 4:
Der (obligatorische) Romantikritt zur Burg Weißenstein, dort dann ein Imbiss. Zwischendurch gab es immer wieder Galopp-Einlagen, in denen die Noriker zeigten, dass sie nicht nur extrem tritt- und geländesichere Pferde sondern auch schnell sind, wenn es denn man gewünscht wird. Nachmittags dann wieder zurück, die Pferde versorgen und schon ist die Reitwoche wieder vorbei.

Auch dieses Jahr gab es keinen ernsthaften Unfall, nur einen kleinen Absteiger beim Aufsteigen, aber nichts ernstes. Ich hatte keinen Muskelkater, meine Ausrüstung hat gepasst, vieles davon (Reitregenmantel) hatte ich zwar mit, aber nicht gebraucht. Also an dieser Stelle noch mal einen Dank an den Wettergott. Erwähnte ich, dass das Wetter grandios war? Wir hatten das, was man woanders als Indian Summer kennt: Zwischen (immer-) grünen Bäumen färbten sich die ersten Bäume gelb und orange. Schon normal ein irre Anblick, wenn man dann langsam und entspannt durch den Wald reitet, dann ist der Anblick noch ein wenig schöner.

Abends dann Verabschiedung der ersten Mitreisenden, denn sie wollte am Abreisetag sehr früh los.

Tag 5:
Da ich einen Tag Aufenthalt mehr gebucht hatte, konnte ich ausschlafen und hatte einen Tag Erholung mehr. Dann so langsam Sachen packen und die kö-Nik-liche Karosse wieder beladen.

Am nächsten morgen dann wieder Abschied, auch dieses Jahr mit dem Versprechen, wiederzukommen.

 

Reiseimpressionen Teil 2 — Zwischenziel

Tag der Abfahrt zum Zwischenziel.

Ich glaube, ich habe meinen ganzen Haushalt in mein Auto geschleppt, es waren dann aber nur die geplanten Urlaubssachen. Dann Richtung Zwischenziel Leipzig. Dort hatte ich mich damals mit einer Internetbekanntschaft getroffen und er und ich haben dann den ganzen Sommerabend auf einer Terrasse gesessen und uns verquatscht. Die Zeit verging damals leider viel zu schnell. Dieses Jahr war es nicht mehr Sommer, aber wir wollten dann wieder den Abend verquatschen.

Von Lübeck nach Leipzig ist eine angenehme Strecke. Meine Route führte mich über die „Küstenautobahn“ A20, dann Richtung Süden auf der A14 bis auf die alte Transitautobahn A24, dann an Potsdam vorbei und dann nach Leipzig. Wenig Verkehr, landschaftlich schön, entspanntes Fahren.

Das Hotel für mein Zwischenziel kannte ich bereits vom letzten Jahr, und fand es auch ohne Hilfe vom elektronischen Beifahrer wieder. Da ich etwas zu früh angekommen war, konnte ich noch einen Tank-Stop einlegen und das Auto gleich für die Weiterreise vorbereiten.

Leider fiel die abendliche Verabredung aus. Das kann passieren. Also Planänderung und mal sehen, was sich so ergibt. Da ich wenig Neigung hatte, Leipzig auf eigene Faust zu erkunden, verquatschte ich mich eben im Hotel. War auch ein sehr netter Abend. Leider kamen dann einige Ossis dazu, die sich genau so benahmen, wie man sich den typischen Jammer-Ossi vorstellt: „Uns geht’s ja heute viel schlechter als domols“, „Merkel-Diktatur“, „Keene Meinungsfreiheit“ und so weiter. Man merkt, es war der Vorabend der Bundestagswahl.

Ich zückte dann mal mein Handy, hielt es hin: „Wiederholen Sie das doch noch mal, ich nehme das auf, leite das an die Stasi weiter und wenn es morgen früh an die Tür klopft, dann ist es nicht der Zimmerservice. Und die nächsten Jahre wohnen sie dann in Bautzen und nicht im Hotel…“ — „Des wird mon doch noch sagen dürfen…“

Und damit hatte er sich dann als Idiot entlarvt. Einerseits haben wir keine Meinungsfreiheit, sich dann aber einen halben Satz wieder darauf berufen wollen. Und wenn er — sagen wir mal — Sommer 1989 Sprüche wie „Honnecker-Diktatur“ oder „SED muss weg“ gebrüllt hätte, wäre er wohl auch erst nach der Einheit aus dem Stasi-Knast entlassen worden.

Dass gerade viele Ostdeutsche, die noch sehr deutliche Erinnerungen an fehlende Meinungsfreiheit, Unrechtsregime und SED-Diktatur haben müssten, ernsthaft glauben, früher war alles besser, heute gäbe es weder Wahlrecht noch Meinungsfreiheit, lässt mich an der Intelligenz vieler Menschen zweifeln.

Entsprechend früh ging ich dann ins Bett und befürchtete das Schlimmste für den kommenden Wahlsonntag.

Reiseimpressionen Teil 1 — Die Vorbereitungen

Der Mensch braucht Arbeit. Einerseits um sich wohlzufühlen, andererseits um Leben, Hobby und auch Urlaub zu bezahlen. Der Mensch braucht aber auch Urlaub. So war es mal wieder an der Zeit, meinen Urlaub zu planen. Da mir mein Reiturlaub letztes Jahr ausgezeichnet gefallen hatte, lag es nahe, den Urlaub zu wiederholen. Letztes Jahr stand dann noch eine anschließende Rundreise durch die deutschen Südstaaten (und Österreich) auf dem Plan, aber ungeplante Ereignisse sorgten dann dafür, dass die Südtour ausfallen musste.

Reiturlaub und Unterkünfte waren rasch gebucht, die kö-Nik-liche Karosse war zur Wartung, die Route und das Zwischenziel ausgesucht, die Klamotten gewaschen. Nun galt es nur noch, die Sachen zu verpacken. „Nur noch“. Da man sich nicht auf das Wetter verlassen kann und es im Frühherbst in den Bergen noch sehr sommerlich aber auch schon sehr winterlich sein kann, muss man eben viel mehr Zeugs einpacken. Und so wurden die Berge, die es zu verpacken galt, auf meinem Bett größer. Am Ende waren es dann zwei Rucksäcke, zwei große blaue IKEA-Taschen und noch zwei Taschen mit Reitsachen und Reitstiefeln.

Wirklich un-glaubg-lich, was ich alles brauche. Aber Reitregenmantel und Reit-Protector füllten schon eine IKEA-Tasche.

Reiseimpressionen

Wenn einer eine Reise tut, so kann er ‚was erleben, so weiß es der Volksmund.

Und so erging es auch mir. Daher folgt hier mein — natürlich sehr subjektives — Reisetagebuch

„Stromdiebstahl“ und das Drama danach

Vor vielen Jahren bloggte ich über eine Posse zum Thema Stromdiebstahl. Neulich traf ich eine Bekannte, ich wollte wissen, wie’s ihr denn im neuen Job ergehe. Ihre Antwort ist es wert, mal hier verbloggt zu werden. Hier ihre Geschichte:

Den Job hab ich nicht mehr. Ich hab gekündigt, nachdem ich mir einen neuen Job angenommen hatte. Die Suche ging glücklicherweise blitzschnell und dann war ich aus dem alten Job von heute auf morgen raus.

Wieso ist gekündigt habe? Total doofe und peinliche Geschichte. Du weißt doch, ich nutze mein Handy als Wecker, vor dem Schlafengehen wird es geladen. Nun hatte ich da neulich eine App, die noch im Hintergrund lief und während der Nacht den Akku leergesaugt hatte. Ich hab dann das Ladekabel mit zur Arbeit genommen und es dann dort geladen. Alles kein Ding. Mein PC läuft ja sowieso und weil ich schon ’ne Power-Userin bin, hab ich einen sehr leistungsfähigen PC, der schon ein wenig mehr Strom braucht.

Jedenfalls kommt mein Chef rein, sieht das angeschlossene Handy und bekommt einen Tobsuchtsanfall und brüllt was von „Stromdiebstahl“ und so und dass er mich deswegen rauswerfen werde. Ernsthaft „Stromdiebstahl“. Der Mann ist Diplom-Ingenieur in Elektrotechnik, sollte also wissen, wie viel Strom das Laden eines Handy braucht, und das es praktisch „nichts“ kostet. Ich hab’s mal ausgerechnet, wir kommen da nicht mal auf einen Cent.

Ich hab dann in der Mittagspause bei der Firma angerufen, bei der ich mich auch beworben hatte, aber deren Zusage erst kam, als ich hier schon unterschrieben hatte. Glücklicherweise war die Stelle noch frei und ich bekam dann gleich eine mündliche Zusage.

Nachmittags bin ich dann in die Personalabteilung und habe gekündigt. Die Personalerin fiel aus allen Wolken, als ich ihr berichtete, was vormittags passiert war, fasste sie sich an den Kopf. Solche oder sehr ähnliche Situationen kannte sie wohl schon, manchmal bekam der Chef wohl cholerischen An- und Ausfälle, brüllte sein Personal meistens grundlos zusammen und verschreckte so im Laufe der Zeit viel gutes Personal.

Der Chef empfand meine Kündigung als Frechheit, zur „Strafe“ wurde ich sofort freigestellt. Und da die Frist zur Kündigung für das kommende Monatsende knapp verpasst war, wurde es eben erst eine Kündigung einen Monat später. So gab es knapp sechs Wochen bezahlten Sonderurlaub. Und den nehme ich jetzt.

Sie schenkte mir ihr legendäres Lächeln, lud mich auf eine heiße Schokolade und ein Stück Kuchen ein und wir klönten dann über die schönen Dinge des Lebens.

Der ungewöhnlichste Nebenjob

Auf Partys trifft man ja manchmal viele Leute, die man noch nicht kennt. Und je nach eigenem Geschick (oder dem der anderen Menschen) finden sich Themen, über die man sich unterhalten könnte. Klar, die Themen Wetter, Politik, Fernsehprogramm oder Fußball gehen immer, sind aber nicht immer ganz einfach, gilt es doch, hier gewisse Fettnäpfchen zu vermeiden.

Auf irgendeiner Party unterhielt ich mich in einem kleineren Kreis über die Nebenjobs, die wir einst als Schüler, Azubi oder Student hatten. Schnell wurde daraus eine Art Wettbewerb, wer denn den ungewöhnlichen Nebenjob hatte. Kellnern war so häufig vertreten, da war klar, damit ist kein Pokal zu gewinnen. Irgendwann war ich an der Reihe zu erzählen. Ich war „Diplom-Silologe“. Diese Bezeichnung verdankte ich dem damaligen Silomeister des Getreidesilos, in dem ich ein paar Sommer arbeitete. Wer als Student mehr als einen Sommer arbeitete, dem bezeichnete er als „Diplom-Silologen“, mit dieser Anrede verband er, dass man sich noch an vieles aus dem Vorjahr zu erinnern hatte, die Einarbeitung also entsprechend kurz ausfallen konnte. Und je mehr man konnte, desto besser und anspruchsvoller waren auch die Aufgaben, die man übernehmen konnte. Ich verwog dann Fahrzeuge, nahm mit einem Roboter-Kran Stichproben des Ladung, bestimmte diese in unseren Labor. Mit den Ergebnissen schickte ich dann den anliefernden Lkw-Fahrer zum Silomeister, der dann entschied, in welche Silozelle die Ware eingelagert wurde.

Ich wähnte mich schon als sicherer Sieger unseres kleinen Wettbewerbs als eine Frau zu erzählen begann:

Ich war Schönschreiberin. Ich arbeitete für eine Firma, deren Chef ein paar Eigenheiten hatte. Die Firma stellte Rechnungen, die wenig Rechnungspositionen enthielten, dafür waren die Beträge umso höher. Zum Beispiel „5 Beratertage (a 1.000DM) im Monat Juli 5.000DM“ und so weiter. Die Rechnungen kamen ganz normal aus dem System und dann kam ich ins Spiel. Der Chef hatte die Marotte, dass er gerne handgeschriebene Rechnungen auf feinem Papier verschicken wollte. Und natürlich auch in einem Umschlag aus feinem Papier, beschriftet in schöner Schrift. Und so gab er eine Anzeige auf, die mir einst in die Hände fiel. Ich schickte ein — er wünschte es ausdrücklich — handschriftliches Bewerbungsschreiben, wurde zum Gespräch eingeladen und bekam den Job. Ich durfte mir einen edlen Füllfederhalter kaufen und bekam dann einmal die Woche einen Stapel Ausdrucke, deren Inhalt ich dann in meiner Handschrift zu Papier brachte. Am Anfang machte ich das in der Firma, später arbeitete ich dann am eigenen Schreibtisch.

Den Job hab ich jahrelang gemacht und mir damit ein gutes Zubrot verdient. Irgendwann war ich mit dem Studium fertig, arbeitete noch ein paar Monate übergangsweise in der Firma und fing dann einen richtigen Job an. Den Füllfederhalter, den mir der Chef einst kaufte, durfte ich behalten. Ich habe ihn heute noch und schreibe sogar damit.

Wir alle waren uns einig, dass ihr Nebenjob alles übertraf, was wir an dem Abend gehört hatten.

Fußball, (k)ein schwuler Sport?

Der Kollege, der gerne mal mit seiner Homophobie kokettiert, entdeckt eine Dose eines Energy-Drinks. Sofort fällt ihm das Design auf, die Regenbogenflagge ist ja auch nicht zu übersehen:

Fan-Dose im Regenbogen-Look

Dann entdeckt er das Logo eines Fußballclubs:

FC St. Pauli

Er lästert ein wenig:

Ich weiß ja nicht, wieso es im Profifußball Probleme mit Homosexualität geben soll? Der Schiedsrichter gilt doch eh als schwule Sau. Die gegnerischen Spieler sind alles Schwuchteln. Und die Fans der gegnerischen Mannschaft? Alles Homos.

In der eigenen Mannschaft ist natürlich nie einer schwul…

Hmmm, da hat er nicht ganz unrecht. Aber wieso zerbrechen wir uns überhaupt den Kopf darüber, ob Bundesliga-Profis schwul sind oder sein könnten? Statistisch gesehen müsste es den einen oder anderen Schwulen geben. Wenn sich jedoch ein Profi dazu bekennt, dann erst nach Ende seiner aktiven Karriere, so wie zum Beispiel Thomas Hitzlsperger.

Ein bekannter Fußballer, ich habe grad nicht parat, wer es war, machte sich neulich sinngemäß darüber lustig:

Da duscht man jahrelang nach dem Training zusammen mit jungen gutaussehenden Männern, aber niemand ist schwul. Das kommt erst vor, wenn man nicht mehr gemeinsam unter der Dusche steht. Liegt vielleicht daran, dass man vom Trainer nicht mehr jeden Tag die Anti-Schwul-Pille verpasst bekommt…

Es könnte (und sollte sogar) völlig egal sein, in wen sich ein Spieler verliebt. Hat das irgendeinen Einfluss auf seine spielerischen Leistungen? Nein! Macht ihn das zu einem weniger glaubwürdigeren Werbeträger, wenn es darum geht, Sportklamotten, Lebensmittel, Autos etc. zu bewerben? Auch Schwule ziehen sich an, essen und trinken, fahren und kaufen Autos. Also wo ist die Aufregung?

Die weiblichen Fußballprofis machen es uns vor. Man sagt, dass die halbe Fußball-Nationalmannschaft der Frauen entweder bisexuell oder lesbisch ist. Sieht man das deren Spiel an? Nein! Macht sie das zu schlechteren Spielerinnen? Nein. Sehen die Sportlerinnen wie fiese Mannweiber aus, so wie sich manch einer eine lesbische Frau vorstellt? Auch nicht.

Ich unterhielt mich neulich mit einer gutaussehenden Frau über das Thema Sport. Ich hätte sie eher als Turnerin vermutet, denn als Fußballerin. Sie sagte:

Klar gibt’s auch bei uns Frauen, die auf Frauen stehen, warum nicht? Und es sind nicht immer die, denen man(n) es anzusehen glaubt. Und es ist auch egal, ob eine lesbisch ist oder nicht. Wenn eine gut spielt dann gibt’s auch mal ’nen High-Five, eine Umarmung oder ’nen Klatscher auf den Po. Na und? Wir interessieren uns nicht dafür, wer in wen verliebt oder mit wem zusammen ist. Uns geht’s um Spiel. Und wenn eine lesbisch ist, na und? Dann ist das eben so.

Eine Haltung, von der sich viele männliche Fußballer oder Fußballfans eine Scheibe abschneiden könnten. Und sollten. Und nicht nur eine Scheibe.

Warum Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können

Ingenieure können nicht richtig rechnen? Eine wahrlich steile These, denn wenn jemand im Studium tief in den Werkzeugkasten der Mathematik greift, dann Ingenieure. Okay, Physiker und Informatiker auch.

Wie komme ich nun darauf, dass Ingenieure (manchmal) nicht richtig rechnen können, immerhin hatte ich doch mal über Rechentricks alter Ingenieure berichtet. Ganz einfach, ich wurde Zeuge folgender Unterhaltung:

Ein Ingenieur berichtet von den Planungen seiner Renovierung: Die ‚Hütte‘ ist alt, hie‘ und da gibt es dann Sanierungsbedarf. Also lässt er sich Angebote für neue Fenster und auch eine neue Heizung kommen. Schließlich möchte niemand (teure) Heizenergie durch zugige Fenster verlieren oder ungenutzt durch den Schornstein jagen. Unser Ingenieur staunte nicht schlecht, als er die Angebote auswertete, denn die neuen Heizungen warben mit Wirkungsgraden von über 100%. Und wie jeder, insbesondere jeder Ingenieur, weiß, gibt es keinen Wirkungsgrad über 100%. Entsprechend groß — wahrscheinlich auch über 100% — waren Verwunderung und Ärger über dieses Angebot.

Unser Ingenieur hat recht — und zugleich Unrecht.

Wie kann das nun sein? Nun, irgendwann in der Vergangenheit wurde eine Referenzanlage genommen und deren Wirkungsgrad gemessen. Und alle später entwickelten Heizungsanlagen wurden gegen eben jene Anlage gemessen. Und dann der Wirkungsgrad des aktuell getesteten Geräts mit dem Referenzgerät verglichen. Eine neue Heizungsanlage kann also so effizient sein, dass der Wirkungsgrad der alten Referenzanlage bei über 100% liegen müsste, um im Wirkungsgrad gleichziehen zu können.

Diese Erklärung überzeugte ihn noch nicht ganz. Es bedurfte dann noch ein paar weiterer Erklärungen, um den Ingenieur zu überzeugen:

Vergaserkraftstoffe[1], genauer deren Klopffestigkeit, wird in ROZ angegeben. Dabei wird ein Vergleichsmotor hinzugezogen, in dem der Kraftstoff verbrannt wird. Und dann wird das Klopfen (also die ungewünschte Frühzündung) mit einem Referenzkraftstoff verglichen. Dieser besteht zu einem Prozentsatz X aus Oktan, der Rest ist Heptan. Reines Heptan entspricht 0 ROZ, reines Oktan entspricht dann 100 ROZ. Deswegen wird die Qualität von Kraftstoffen auch umgangssprachlich in „Oktan“ angegeben. Nun gibt es aber Kraftstoffe, die so gut sind, dass ihre Klopffestigkeit über 100 ROZ liegt. Das kann nicht mehr gemessen werden, dieser Wert kann nur noch geschätzt — drücken wir es vornehmer und wissenschaftlicher aus — interpoliert werden.

Diese Erklärung konnte er als alter Autobastler mit Benzin im Blut sofort verstehen.

Es gibt Heizungen, die Wärme durch Umwandlung von anderen Energieformen (Kohle, Öl, Gas) erzeugen. Und dann gibt es Systeme, die Wärme dadurch erzeugen, dass sie woanders Wärme ‚klauen‘, im Sinne von woanders, außerhalb der (thermodynamischen System-) Grenzen herholen. Ein Beispiel dafür sind Wärmepumpen, die Erdwärme oder Temperatur der Außenluft dafür nutzen, um innen Wärme bereitzustellen. Und bei solchen Systemen vergleicht man die eingesetzte Energie (für die Wärmepumpe) mit der Wärme, die die Wärmepumpe dann bereitstellt. Und da kann man auch erstaunliche Wirkungsgrade im Bereich von mehrere hundert Prozent kommen.

Auch diese Erklärung konnte er verstehen. Und so langsam zeigte er sich mit dem im Angebot genannten Wirkungsgrad versöhnt.

1.) Auch denn der Vergaser in vielen Motoren durch Einspritzsysteme ersetzt wurde, wird er häufig noch „Vergaserkraftstoff“ genannt.

Standards und warum man an ihnen festhalten und doch von ihnen abweichen sollte…

Wie? Gleichzeitig an einem Standard festhalten und davon abweichen? Ja, wie nun? Ist das nicht so etwas wie: Wasch mich, aber mach mich nicht nass? Jein!

Standards sind gut und wichtig und meistens aus sehr guten Gründen gesetzt worden. (Hoffentlich) Kluge Köpfe haben sich Gedanken gemacht, was so alles auf uns als Firma oder Organisation zukommen könnte, und wie man das dann nach einem Regelwerk abwickeln kann. Und dann werden Verfahrensvorschriften erlassen und Standards gesetzt. Was wollen wir machen? Wie sollen wir es machen? Welche Grenzwerte müssen dabei eingehalten werden? Und so weiter…

Auf seinem persönlichen Laufwerk P: bekommt jeder Benutzer eine gewisse Menge an Speicherplatz. Oder im Mail-Programm für die Größe des persönlichen Postfachs. Punkt. Alles schön einheitlich zu halten, erleichtert die Verwaltung. Alles schön einheitlich zu halten, erleichtert auch die Vorhersage, welche Ressourcen man benötigen wird: Die Anzahl der Benutzer multipliziert mit der Menge des Speichers pro Benutzer ergibt den Gesamtspeicher, den wir maximal bereithalten müssen.

Und genauso wenig, wie uns eine Einheitsgröße Klamotten passt, passt auch die Faustregel — oder der Standard — auf jeden Einzelfall. Manchmal gibt es gute Gründe, warum Person X oder Abteilung Y mehr Speicherplatz auf dem persönlichen oder Abteilungslaufwerk braucht. Oder eben ein größeres Postfach. Wichtig dabei ist, dann man die Gründe sauber dokumentiert, also warum man von welchem Standard abweicht.

Und da kommen wir schon zum nächsten Punkt: Dokumentation. Es sollte ein Orga-Handbuch geben, neudeutsch SOP („Standard Operating Procedure„), in dem festgelegt wird, was wann bzw. in welcher Situation getan wird/werden soll/muss, um Ziele zu erreichen. Und entweder macht man das Orga-Handbuch so umfassend, dass wirklich alle Fälle darin beschrieben werden (Wie realistisch ist das? Wie umfangreich soll das Handbuch dann werden?) oder aber man schreibt dann rein, wo und in welche Richtung vom Standard abgewichen wurde. Und wer das veranlasst hat und er es verantwortet, also den Kopf dafür hinhält. Und auch, wie mal wieder zum Standard zurückkehren könnte, sollte es denn notwendig werden.

Wie erklärte es einmal ein erfahrene Admin seinem Chef, der auf die Einhaltung von Standards bestehen wollte:

Mit den Standards ist das so: Ich darf als Autofahrer nicht über eine rote Ampel fahren. Dafür gibt es gute Gründe.

Aber wenn hinter mir der Rettungswagen angefahren kommt und ich seinen Weg versperre, dann gibt es einen noch viel besseren Grund, es ausnahmsweise und unter Wahrung der gebotenen Vorsicht doch zu tun.

Das konnte dann auch der Chef verstehen…

Abschied von Auto und Leben als Autofahrer

Nein, ich wurde nicht zum Fußgänger degradiert…

Heute hieß es Abschied nehmen. Der rote Renner, der mich ein paar Jahre (meistens) sehr gut durch die Gegend gefahren hat, macht sich auf den Weg. Auf den Weg in ein neues Leben, so hoffe ich zumindest. Er war nie mein Eigentum, doch jahrelang in meinem Besitz und fuhr mich zur Arbeit, zum Sport, in den Urlaub, auf Ausflüge und und und.

Mach’s gut, roter Renner!

Er ist ein wenig in die Jahre gekommen, wurde von mir kaum noch gefahren, hätte sich fast die Füße eckig gestanden. Doch wenn er fuhr, wie zuletzt, als ich in den Mai tanzte, dann fuhr er gut. Und sehr entspannt. Das Gefühl, seine 200 PS ausfahren können, gab mir stets das gute Gefühl der Gelassenheit, die vielen PS nicht ausfahren zu wollen. Meistens war ich mit entspannten 120 (manchmal auch weniger) auf der Autobahn unterwegs, das brauchte weniger von meinen Nerven und auch erfreulich wenig Kraftstoff. Einmal hätte ich die 1.100 km mit einer Tankfüllung erreicht, entschied mich dann aber, nach 927 km dann doch zu tanken, um mein Glück nicht über Gebühr zu strapazieren und unterwegs ohne Sprit liegenzubleiben.

 

Geschätzte 1100km mit einer Tankfüllung

Der rote Renner war ein tolles Auto für die Langstrecke, aber die kommt bei mir kaum vor. Und derjenige, der den roten Renner einst gekauft hatte, hat eingesehen, dass es besser ist, nicht mehr selbst hinter dem Steuer zu sitzen. So fiel die Entscheidung, den roten Renner abzugeben nicht ganz leicht, aber sie fiel dann doch letztendlich. So gab es heute einen doppelten Abschied: Der rote Renner macht sich auf den Weg in ein neues Leben und jemand hat heute eingesehen, dass er nun kein Autofahrer mehr ist. Ein Abschied, der den allermeisten von uns auch (irgendwann) bevorstehen wird.

Was mich daran tröstet ist der Gedanke, dass es dann, wenn es bei mir soweit sein wird, ganz anders zugehen wird. Zum Beispiel so:

Ich bin irgendwo und möchte an einen anderen Ort. Ich betätige meinen Kommunikator, spreche ein „Harry, hol schon mal den Wagen vor…“ in das Gerät. Mein aktueller Standort wird ermittelt, das nächste verfügbare Auto fährt autonom zu mir. Natürlich berücksichtigt es dabei die aktuelle Verkehrssituation und wählt den jeweils besten Weg. Das System kennt meine Gewohnheiten, Heizung oder Klimaanlage werden entsprechend meinen Wünschen eingestellt. Dann ist das Auto da, angenehm temperiert, ich nenne mein Ziel und werde gefahren. Völlig autonom. Am Ziel angekommen, steige ich aus, das Auto fährt zum nächsten Einsatz. Oder zur Ladestation. Oder zur automatischen Reinigung.

Ich bekomme das, was ich eigentlich wünsche: Mobilität. Das eigene Auto, so wie wir es heute kennen, wird dazu nicht mehr nötig sein.

Wer dann noch selbst hinter dem Steuer sitzt, tut es aus dem selben Grund, warum ich reite. Es ist eine Freude, keine Notwendigkeit mehr.

About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

Archiv
  • 2017 (36)
  • 2016 (18)
  • 2015 (21)
  • 2014 (61)
  • 2013 (78)
  • 2012 (91)
  • 2011 (67)
  • 2010 (99)
  • 2009 (105)
  • 2008 (96)
  • 2007 (94)
  • 2006 (83)
  • 2005 (123)
  • 2004 (129)
  • 2003 (30)
Kategorien