People Are People

„People Are People“ so sangen es die Synthie-Popper von Depeche Mode schon in den 80er Jahren. Menschen sind Menschen. Irgendwie sind wir alle Menschen. Und irgendwie sind wir alle gleich. Und zugleich so unterschiedlich. Das durfte ich ganz deutlich als kleiner Rekrut sehen.

Damals, 1988 war ich beim Bund, genauer, bei den Panzeraufklärern. Und alle zwei Jahre veranstaltete ein Panzeraufklärungsbataillon einen Wettbewerb der Aufklärungstruppen, den Boeselager-Wettkampf. Er sollte in dem Jahr vom Team der 1st Cavalry Division der US-Streitkräfte gewonnen werden. Ich gehört zum Orga-Team und durfte mir auch einige Disziplinen ansehen. So kam es, dass ich im Bereich des Zieleinlaufes stand, als die Mannschaft der US-Streitkräfte antrat.

Als erster kam der stellvertretende Team-Chef, ein Leutnant, ins Ziel. Er war der Massai: sehr groß, sehr schlank, sehr dunkelhäutig. Hätte mir jemand gesagt, dass sein Großvater jeden morgen 30km durch die afrikanische Savanna zur Schule gelaufen war, natürlich barfuß, ich hätte es so sofort geglaubt. Dieser Mensch lief nicht über den Acker, er schwebte förmlich, als berührten seine Füße den Boden nur alle fünf Meter. Mit unglaublicher Leichtigkeit lief er auf das Ziel zu, lief durch das Ziel und blieb stehen. Seine Stirn war von wenigen Schweißtropfen bedeckt. Er holte zwei oder dreimal tief Luft, danach schien er sich erholt zu haben.

Eine Weile später kam der Team-Chef, ein Hauptmann, ins Ziel. Er war der Typ Ire: klein, breit, sehr blasse Haut mit Sommerssprossen, rotblonde Haare, sein Körper war schweißbedeckt, seine Uniform war „durch“. Er lief nicht über den Acker, erst recht schwebte er nicht. Er pflügte durch den Acker. Jeden Meter, den er zurücklegte, kämpfte er. Als er durchs Ziel war, fiel er um. Ich dachte für einen Moment, er stürbe vor unseren Augen, seine heftig pumpende Atmung normalisierte sich langsam, nach einer Weile konnte er dann auch wieder aufstehen — vielleicht sollte ihn der Rest der Mannschaft nicht am Boden liegen sehen? Dann begab er sich zum Stellvertreter und die beiden warteten das Eintreffen der restlichen Mannschaftteilnehmer ab.

Es ist 30 Jahre her, dass ich dieses Schauspiel ansehen durfte, aber die Unterschiedlichkeit menschlicher Laufstile ist mir in Erinnerung geblieben. Ja, Menschen sind alle sehr ähnlich, aber irgendwie doch so ganz anders.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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