Physik am Freitag

Da lese ich irgend wo, dass die Bundesregierung (praktisch) keine Elektroautos betreibt und dass das kein gutes Beispiel für die Bevölkerung sei.

Das stimmt und stimmt zugleich doch nicht. Wie kann das sein? Dröseln wir das Ganze mal ein wenig auf. Dazu braucht es aber ein wenig (mehr) Physik. Wer freitags den Physikunterricht in der Schule schwänzt, der kann sich wunderbar empören, wird aber nicht ernsthaft diskutieren können

Bei einem Kraftfahrzeug gibt ein wesentliche Parameter, die wir uns genauer ansehen wollen. Und auch die Zusammenhänge zwischen diesen Parametern:

  • Fahrzeugmasse (umgangssprachlich „Gewicht“)
  • Leistung, wobei es erstmal keine Rolle spielt, on diese Leistung von einem Elektro- oder Verbrennungsmotor erzeugt wird
  • Beschleunigung (und vielleicht auch Höchstgeschwindigkeit)
  • Mitgeführte Energie, um die Leistung zu erzeugen
  • Schutz der Insassen

Erinnern wir uns an den Physikunterricht, genauer an das 2. Newtonsche Gesetz, das einen Zusammenhang zwischen Kraft, Masse und Beschleunigung herstellt:

Kraft = Masse mal Beschleunigung

Je mehr Masse ein Fahrzeug hat, desto träger ist es und desto größer muss die Kraft (Motorleistung) sein, um es zu beschleunigen.
Und je weniger Masse ein Fahrzeug hat, desto geringer kann die Kraft (Motorleistung) sein, die für Beschleunigung ausreicht.

Allerdings gibt es noch einen weiteren Zusammenhang, den es zu berücksichtigen gilt:

Schutz kostet Gewicht
(Schutz erhöht die Masse)

Und mit Schutz meine ich hier nicht nur den Schutz gegen Regen (wir brauchen ein Dach) oder bei Verkehrsunfällen…
Kleine Nebenbemerkung: Dass die Anzahl der Verkehrstoten in den letzten Jahren erheblich zurückgegangen ist, liegt auch daran, dass Autos heute immer sicherer (und damit schwerer) geworden sind. Passive Sicherheit (Knautschzone) bringt eben erheblich Kilogramm auf die Waage.
Regierungen bestehen auch aus Menschen, die auf der „Wunschliste“ von Attentätern ganz oben stehen. Also braucht man gepanzerte Fahrzeuge. Und auch hier gilt: Je höher der Schutz, desto mehr Gewicht. Bei einem Fahrzeug einer hohen Schutzklasse kommt schnell eine Tonne (oder manchmal auch mehr) hinzu.

Dass man so eine Panzerung nicht in einem Kleinwagen einbauen kann, versteht sich von selbst. Manches Sonderschutzfahrzeug hat eine Masse von über 3,5 Tonnen. Um so einen „Panzer“ zu bewegen, braucht es schon ein wenig mehr Leistung, siehe oben.

Und nun kommen wir zur Energie, die an Bord des Fahrzeugs mitgeführt werden muss, um die Leistung zu erzeugen. Genauer, kommen wir zur Leistungsdichte: Wieviel Leistung bekommen wir pro Volumen oder pro Masse. Und da schneiden elektrische Batterien sehr schlecht ab, jedenfalls im Vergleich zu Benzin oder Diesel als Energieträger.

Wird ein Sonderschutzfahrzeug — eher die Insassen — angegriffen, dann hilft nur der alte Grundsatz: ABHAUEN! Und dann braucht es Leistung. VIEL LEISTUNG. Um schnell zu beschleunigen und schnell aus der Gefahrensituation zu fliehen. Und da hat der Verbrennungsmotor erhebliche Vorteile.

Und wenn wir berücksichtigen, wie viele Bundespräsidenten, Bundeskanzler oder Personen in ähnlich exponierten Position wir haben, auf wie viele Sonderschutzfahrzeuge wir kommen, dann kann die Wirkung auf die Umwelt vernachlässigt werden. Jedenfalls im Vergleich zu Millionen Pendlern, die mit ihren Autos täglich im Stau stehen.

Darüber könnte man ja mal in ruhe diskutieren. An einem Freitag in einer Schule…

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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