Physiker in der Politik

Physik ist eine richtige Wissenschaft, mit manchmal komplizierten Kausalketten zwischen Ursache und Wirkung und viel Mathematik drumherum, das ist nur was für Echte Männer kluge Köpfe. Doch manchmal habe ich den Eindruck, daß sich die Klugheit in den Köpfen schnell in Grütze verwandelt, sobald der Mensch die Physik verläßt und zum Beispiel in der Politik landet.

Oskar Lafontaine, studierter Physiker, scheint auch davon betroffen zu sein. Lafontaine, wirft Gauck vor, er habe in der „DDR“ besondere Privilegien von der Staatssicherheit genossen und die Ostdeutschen wüßten das, so lesen wir bei Spiegel Online. Nun, als Physiker hat man gelernt, daß man seine Behauptungen (durch entsprechende Beweise) belegt und macht das auch. Daß Joachim Gauck, ehemaliger Leiter der (nach ihm benannten) Stasi-Unterlagen-Behörde mit dem damaligen „DDR“-Regime gekuschelt habe, ja, sogar Teil des dortigen Repressionsapparates gewesen sein soll, glaube ich gerne … falls dafür jemals Beweise vorgelegt würden. Wurden aber nicht.

Anschuldigungen a la „jeder weiß, daß …“ sind beliebt, weil man damit hervorragend Stimmung machen kann, ohne seine These jemals durch Beweise untermauern zu müssen.

Nun kann — und sollte — man sich fragen, warum Oskar Lafontaine einen aussichtsreichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten als untragbar und unwählbar hinstellt. Haben einige seiner Parteifreunde von der SED SED/PDS PDS Linkspartei mit Gauck noch alte Rechnungen offen, weil sich Gauck und die sogenannte Gauck-Behörde gemäß ihrer gesetzlichen Aufgaben um die Stasi-Vergangenheit mancher Genossen kümmerte?

Die Wahl des Bundespräsidenten unterliegt gewissen Gesetzmäßigkeiten: Erhält ein Kandidat im ersten Wahlgang die erforderlichen Stimmen, dann ist — wie man so schön sagt — der Drops gelutscht und die Wahl beendet. Union und FDP verfügen über eine große Anzahl Stimmen in der Bundesversammlung, es könnte daher sein, daß Christian Wulf bereits den ersten Wahlgang gewinnt.

Nur wenn das nicht passiert, besteht die Möglichkeit eines zweiten Wahlganges. Die theoretische Möglichkeit, daß die Kandidaten von NPD und Linkspartei im ersten Wahlgang gewinnen, brauchen wir wohl nicht ernsthaft zu berücksichtigen. Wer also für den Kandidaten Wulf ist, der wählt Wulf  bzw. verweigert Gauck in späteren Wahlgängen die Stimme.

Wenn man also etwas bewegen möchte, dann ist das ganz einfach. Auch in der Politik gibt es manchmal recht einfache Kausalketten von Ursache und Wirkung, man muß kein Physiker sein, um das zu verstehen. Allerdings sollte man auch keine Grütze im Kopf haben.

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About Nik

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