Raus damit!

Manche Menschen, ich gehöre dazu, neigen dazu, eher zu wenig als zuviel wegzuwerfen. Immerhin könnte man das Meiste ja doch noch irgendwann noch mal irgendwie gebrauchen. Genau „könnte“. Passiert dann aber doch irgendwie nie. Oder aber man hat soviel Zeugs, daß die Lagerung so ganz allmählich zu einem Problem wird.

Ich hatte meine Klamotten in vier Kategorien eingeteilt:

  1. Optisch und technisch einwandfrei: Kann ich zu guten Gelegenheiten anziehen
  2. Technisch einwandfrei aber nicht ganz so schick: Reicht für die Arbeit
  3. Leichte technische und/oder Macken: Kann man aber noch unten drunter anziehen
  4. Reicht noch als T-Shirt zum Schlafen. Oder für den Stall. Aber sonst bitte nicht mehr

So im Laufe der Zeit nagte der Zahn der selbigen an vielen Kleidungsstücken, so daß sie langsam durch die Kategorien bewegten. Natürlich kamen auch immer wieder frische Klamotten nach, aber in Summe stiegt mein Fundus doch recht stark an.

Also hab ich beschlossen, mich mal von Kategorie 4 zu trennen. Einen großen Haufen und dann ab mit dem Zeugs. Ich stane, was da alles zusammenkommt. Ich freue mich über den freien Platz in meinem Kleiderschrank. ob sich die Altkleidertonne freuen wird ist mir egal, Hauptsache, ich bin die Sache los. Handtücher, durch die man die sprichwörtliche Zeitung lesen könnte, landen im Stall, da kann man immer mal welche gebrauchen.

In diesem Zusammenhand fällt mir noch eine schöne Geschichte ein, die eine Bekannte einst erlebte:

Nach dem Abitur zog sie bei ihren Eltern aus und lebte in einer anderen Stadt bei Oma und Opa. Das hatte viele Vorteile für alle. Mama — Männer sind Männer, Frauen bleiben Mütter — war beruhigt, daß ihr ‚Kind‘ gut versorgt war. Oma und Opa hatten in ihrem Häuschen im Keller genug Platz, daß die Enkeltochter einziehen konnte. Das Enkelkind hatte in der neuen Stadt gleich Familienanschluß und konnte die Infrastruktur (Waschmaschine) mitbenutzen. Und Oma war froh, daß die wen zum betüddeln hatte. Und Opa freute sich über ein wenig Hilfe bei der Gartenarbeit.

Nach kurzer Zeit stellte es sich als zweckmäßiger heraus, daß die Enkeltochter nicht selbst wartet, bis sie eine Maschinenladung schmutzige Wäsche zusammenhat sondern daß Oma Enkeltochtern Klamotten mitwäscht. Der Oma gefliel nicht immer, was die Enkeltochter trug („Viel zu knapp diese Schlüpfer“ — „Die heißen String und ich trag sie gerne, Oma…“), aber Oma achtete sehr darauf, daß die Sachen alle in Ordnung waren. Wo eine Naht zu nähen war, warf sie ihre Nähmaschine an. Um lange Diskussionen, ob dieses oder jenes Stück noch tragbar oder schon zu kaputt und aussondernswert wäre, zu vermeiden, fuhr Oma mit den Stücken in die Stadt, klapperte die entsprechenden Geschäfte ab und kaufte Ersatz, den sie der Enkeltochter bei passender Gelegenheit unterjubelte.

Oma hatte auch eine gute Begründung dafür: „Stell Dir vor, Dir passiert noch was und Du wirst ausgezogen, Kind, muß ja nicht gleich im Krankenhaus nach einem Unfall sein, und dann haste kein schönes Unterzeug an, nenene, dann besser so…“

Das überzeugte dann auch die Enkeltochter, die diese Geschichte irgendwann man zum Besten gab.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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