Reiseimpressionen

Wenn man eine Reise tut, kann man bekanntlich viel erleben. Und da ich nicht jedes Detail einzeln verbloggen will, kommen hier nur die Glanzstücke, auch wenn sie teilweise alles andere als glanzvoll waren.

Reiseplanung
Die Planung der Reise war schwieriger als gedacht, konnten sich alle Beteiligten zunächst nicht auf ein Datum für die Anreise einigen. Neben einem genehmen Termin war auch die Verfügbarkeit günstiger Fahrkarten ein entscheidendes Kriterium. Warum ich die Fahrkarte am Automaten und nicht per Internet kaufen wollte, weiß ich nicht mehr, aber es war eine ungute Entscheidung. Die Schlange hinter mir war lang und die Wartenden waren entsprechend ungeduldig, so daß ich, ohne genau hinzusehen, den Zug wählte, den der Automat mir anbot. Aus einer schlechten Entscheidung wurde ein sattes Eigentor, denn ich kaufte eine Aktionsfahrkarte, die nicht umtauschbar war und nur für die gebuchte Verbindung galt. Bei näherem Hinsehen konnte ich dann nachlesen, daß meine Reisedauer statt möglicher vier knappe zwölf Stunden dauern würde, wovon mehrere Stunden auf nächtliches Warten auf einen Anschlußzug entfallen würden. Kurzum, ich hatte durch einen Moment der Unaufmerksamkeit satten Mist bei der Planung gebaut. Wenig später beichtete ich meinen Fehler und auch meine Befürchtung, nächtens ein paar Stunden an einem Ort namens „Anus Mundi“ verbringen zu müssen.

Anreise
Doch ich hatte Glück im Unglück und mir wurde nicht nur ein Empfangs- sondern auch ein Abholungskomitee zugesagt. Welch Bürde meine Retter auf sich nehmen sollten, würde mir später klar werden, als ich bei ihnen im Auto saß und wir den Rest der Reise gemeinsam bestritten. An dieser Stelle noch einmal vielen Dank an meine Retter!

Endlich angekommen waren wir dank langer nächtlicher Autofahrt völlig überdreht und saßen im Herz des Hauses, der Küche. Bei Thüringer Bratwurst, Bier und endlosen Gesprächen verging die Zeit, so daß wir uns hinlegten, als die Sonne wieder aufging. Aber ich war endlich angekommen.

Die nächsten Tage verbrachten wir mit der üblichen Touristen-Bespaßung und ich bekam die lokalen Sehenswürdigkeiten und Typisches der regionalen Küche präsentiert.

Tage später saßen wir in einem sehr netten Cafe, statt Schlampenfieber gab es eine sehr leckere heiße Schokolade mit Zucker, aber ohne Kassengift. Obwohl ich weder Tätowierung noch sonstigen Körperschmuck trage, fiel ich unter den Gästen nicht auf. Ob die Schlampen müde geworden sind?

Am nächsten Tag besuchten wir das örtliche Stasi-Museum, eine gute Gelegenheit, eigene Vorurteile anhand von Beispielakten zu überprüfen. Als erstes fiel mir die Akte von „IM Fanfare“ in die Hände. Schon nach wenigen Seiten überkam mich das Gefühl, daß sich die Stasi selbst zu Tode verwaltet haben mußte. Jede noch so unbedeutende Kleinigkeit war penibel vermerkt, auch daß der IM seine Aussagen freiwillig gemacht habe, interessant, daß das ausdrücklich festgehalten werden mußte. Bestürzt war ich, als ich handgeschriebene Berichte von IM Fanfare las, Schriftbild, Stil, Grammatik und Rechtschreibung ließen klar erkennen, daß es sich um eine Person niedriger Intelligenz und Bildung handeln muß. Vollends lächerlich wurde das Ganze, als ich las, worum es eigentlich ging: „Westliche Schundlektüre“. Keine Agenten- oder Sabotagearbeit, keine Verschwörungen zu Republikflucht oder Attentaten, es ging um Groschenromane (West). So ein Aufwand für solche Lächerlichkeit, wenn die Stasi schon hier so einen Aufwand betrieb, was haben die dann bei größeren Sachen gemacht? Und wieviele volkswirtschaftliche Ressourcen wurden so gebunden oder verschwendet?

Angenehm aufgefallen ist mir die Tram, norddeutsch Straßenbahn. Die Fahrzeuge sind vom Feinsten, sehr leise, fast unhörbar, mit niedrigem Einstieg, so daß Müttern mit Kinderwagen oder Behinderte mühelos ein- und wieder aussteigen können. Auch die kurzen Fahrzeiten sind klasse, wer hier das eigene Auto benutzt, muß schon gute Gründe dafür haben, oder weiter außerhalb wohnen. Dann ist Geheimwissen über einen sehr zentral gelegenen, aber schwierig zu erreichenden Parkplatz notwendig.

Aus guten Gründen liegen Flughäfen etwas außerhalb der Stadt und sind mehr oder weniger gut mit dem Auto oder dem ÖPNV erreichbar. Erfreulich festzustellen, daß der Flughafen binnen nur 20 Minuten vom Hauptbahnhof erreichbar ist, die Tram hält direkt vor dem Terminal, wer das mal in Hamburg versuchen will, der wird merken, wie weltstädtisch oder eher provinziell manche Weltstadt wirklich ist.

Das Wetter war die ganze Woche hindurch hervorragend, jedenfalls nach norddeutschen Verhältnissen, die vom guten Wetter verweichlichten Bewohner des Freistaats hatten unter der Woche immer Angst vor Unwetter, so daß das versprochene Grillen im Garten erst am Wochenende stattfand. Mit vereinter Frauen-Power und Unterstützung von Oma und Freundinnen wurde im Handumdrehen eine echte Grillparty organisiert.

Abends wurde ich vom Frauenkollektiv zum Würfeln an den Küchentisch eingeladen und um Haaresbreite bis auf das sprichwörtliche Hemd ausgezogen. Am nächsten Abend gab’s dann die Revanche, Glück und Würfel waren mir hold und ich konnte der versammelten Frauenpower zeigen, wer der Herr im Haus ist.

Um auch in Zukunft dort Gast sein zu dürfen, mußte ich in den folgenden Tagen Pluspunkte sammeln und typische Männerarbeiten erledigen: Anstehenden EDV-Probleme lösen, den Kampf mit einem widerspenstigen Satelliten-Receiver gewinnen und Kleinigkeiten am Auto hinfummeln.

Alles in allem war’s eine schöne Woche…

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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