Reiseimpressionen Teil 2 — Zwischenziel

Tag der Abfahrt zum Zwischenziel.

Ich glaube, ich habe meinen ganzen Haushalt in mein Auto geschleppt, es waren dann aber nur die geplanten Urlaubssachen. Dann Richtung Zwischenziel Leipzig. Dort hatte ich mich damals mit einer Internetbekanntschaft getroffen und er und ich haben dann den ganzen Sommerabend auf einer Terrasse gesessen und uns verquatscht. Die Zeit verging damals leider viel zu schnell. Dieses Jahr war es nicht mehr Sommer, aber wir wollten dann wieder den Abend verquatschen.

Von Lübeck nach Leipzig ist eine angenehme Strecke. Meine Route führte mich über die „Küstenautobahn“ A20, dann Richtung Süden auf der A14 bis auf die alte Transitautobahn A24, dann an Potsdam vorbei und dann nach Leipzig. Wenig Verkehr, landschaftlich schön, entspanntes Fahren.

Das Hotel für mein Zwischenziel kannte ich bereits vom letzten Jahr, und fand es auch ohne Hilfe vom elektronischen Beifahrer wieder. Da ich etwas zu früh angekommen war, konnte ich noch einen Tank-Stop einlegen und das Auto gleich für die Weiterreise vorbereiten.

Leider fiel die abendliche Verabredung aus. Das kann passieren. Also Planänderung und mal sehen, was sich so ergibt. Da ich wenig Neigung hatte, Leipzig auf eigene Faust zu erkunden, verquatschte ich mich eben im Hotel. War auch ein sehr netter Abend. Leider kamen dann einige Ossis dazu, die sich genau so benahmen, wie man sich den typischen Jammer-Ossi vorstellt: „Uns geht’s ja heute viel schlechter als domols“, „Merkel-Diktatur“, „Keene Meinungsfreiheit“ und so weiter. Man merkt, es war der Vorabend der Bundestagswahl.

Ich zückte dann mal mein Handy, hielt es hin: „Wiederholen Sie das doch noch mal, ich nehme das auf, leite das an die Stasi weiter und wenn es morgen früh an die Tür klopft, dann ist es nicht der Zimmerservice. Und die nächsten Jahre wohnen sie dann in Bautzen und nicht im Hotel…“ — „Des wird mon doch noch sagen dürfen…“

Und damit hatte er sich dann als Idiot entlarvt. Einerseits haben wir keine Meinungsfreiheit, sich dann aber einen halben Satz wieder darauf berufen wollen. Und wenn er — sagen wir mal — Sommer 1989 Sprüche wie „Honnecker-Diktatur“ oder „SED muss weg“ gebrüllt hätte, wäre er wohl auch erst nach der Einheit aus dem Stasi-Knast entlassen worden.

Dass gerade viele Ostdeutsche, die noch sehr deutliche Erinnerungen an fehlende Meinungsfreiheit, Unrechtsregime und SED-Diktatur haben müssten, ernsthaft glauben, früher war alles besser, heute gäbe es weder Wahlrecht noch Meinungsfreiheit, lässt mich an der Intelligenz vieler Menschen zweifeln.

Entsprechend früh ging ich dann ins Bett und befürchtete das Schlimmste für den kommenden Wahlsonntag.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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