„Sauberer“ Diesel

Noch immer bewegt das Thema Dieselmotor und die (fehlende) Sauberkeit seiner Abgase die Gemüter. Wenn Autos immer sicherer werden, dann werden sie entweder schwerer, brauchen also mehr Energie, oder aber man setzt statt Stahl andere Materialien ein. Diese sind dann vielleicht leichter als Stahl, bringen dann aber den Nachteil mit, (sehr) viel teurer zu sein. So einfach ist dieser Ausweg nun also auch nicht.

Beim Thema Dieselmotor und Dieselabgas fällt mir eine Geschichte ein, die ein (inzwischen lange verstorbener) Bekannter einst erlebte. Hier seine Geschichte, so gut ich mich noch an sie erinnere:

Ich war Anfang der 1970er Jahre beim Bund, hatte die Grundausbildung gerade hinter mir und war nun Fahrschüler. Die Fahrschulautos waren Lkw vom Typ MAN 630. Solide Technik, liefen nicht nur mit Diesel, wären zur Not auch mit Rasierwasser gelaufen, so erklärten uns die Ausbilder scherzhaft. Die „Emma“, so der Landser-Spitzname für den MAN, war laut, aus dem Auspuff kam eine dunkle Fahne, aber die „Emma“ ließ einen dafür nicht im Stich und verzieh uns Fahrschülern so manch unsanfte Behandlung.

Eines Sommertages waren wie wieder unterwegs, die Emma, ich und der Fahrlehrer. Er hatte seine Dienstzeit fast hinter sich, er würde noch mich und die anderen Fahrschüler durch die Prüfung bringen, dann die Entlassung und ein neues ziviles Leben — wahrscheinlich auch als Fahrlehrer. Wir mussten an einer Ampel halten. Nicht an einer irgendeiner Ampel. An der Ampel. Aus irgendwelchen Gründen hatte sie eine gefühlt unendlich lange Rotphase, die nicht nur die Geduld von uns Fahrschülern strapazierte.

Als erstes Auto stand ich mit der „Emma“ auf der rechten Spur. Kaum hatten wir angehalten, stand auf der rechten Spur ein kleiner weißer Sportflitzer, dazu noch ein Cabrio. Damals machte man noch nicht den Motor aus und wir angehenden Militärkraftfahrer sowieso nicht. War ja nicht unser Sprit. Wir ließen Emmas Diesel einfach im Leerlauf tuckern.

Der Typ im Sportflitzer spielte jedoch die ganze Zeit an seinem Gaspedal. Das nervte. Das nervte nicht nur mich, das nervte auch meinen Fahrlehrer. Plötzlich gab er mir die Anweisung, die Emma drei Meter vorzuziehen und dann scharf links zu lenken. Ich sah ihn fragend an, ob ich wirklich bei der roten Ampel über die Haltelinie fahren sollte…

„Befehl ist Befehl, also Ausführung!“ war seine Antwort. Ich löste die Bremse, zog die Emma vor und schlug das Lenkrad dann scharf links ein. Nun standen wir schräg vor dem Sportflitzer.

„Gang raus und Vollgas!“ rief er mir zu. Ich gab Vollgas. Die Emma röhrte, als wollte sie gleich zum Sprung ansetzen. Aus ihrem Auspuff kam schon eine deutlichere dunklere Abgasfahne.

„Gas weg und Motorbremse!“ brüllte er mir gegen Emmas Röhren zu. Ich ging vom Gas und drückte das Extrapedal, das eine Klappe im Abgasweg schloss, sofort fiel die Drehzahl rapide ab.

„Und Motorbremse weg und wieder Vollgas!“ befahl er. Nun konnte die Emma wieder ausatmen und nahm Gas an. Dabei schoss eine dicke rußige Wolke aus dem Auspuffrohr.

„Und wieder Vollgas und dann wieder Motorbremse, was der Typ kann, das können wir schon lange…“ rief er mir zu. Und ich gab wieder Gas. Und drückte wieder die Motorbremse. Und gab wieder Vollgas. Und jedes mal warf die Emma eine fiese dunkle Wolke raus.

Endlich wurde es grün. „Und nun mit Vollgas anfahren, zeig ihm mal, wie flott eine unbeladene Emma sein kann.“ Ich gab wieder Vollgas, ließ die Kupplung fast springen, die Emma machte nun den Sprung, auf den sie sich die knappe Minute vorbereitet hatte, ich konnte die gerade noch in der Spur halten und wir zischten los.

„Ich glaube, wir verdrücken uns besser da vorne, Abmarsch in das Wohngebiet mit den vielen kleinen Straßen, diesmal aber schön leise…“

Ich bog dann ab und die Emma schlich auf leisen Sohlen durch die Nebenstraßen.

Es war die lustigste Fahrstunde meines Lebens, die Prüfung wenige Tage später hatte ich ohne Fehler bestanden und zum Abschied gab mir mein Fahrlehrer noch ein paar Worte mit auf den Weg:

„Sei immer nett im Leben, besonders zu Deiner Emma…“

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
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