Schuster, bleib bei Deinen Leisten

Ein altes Sprichwort empfiehlt dem Schuster, er solle bei seinen Leisten bleiben. Also bei Dingen, bei denen er sich auskennt und von denen er Ahnung hat.

Eigentlich ein sehr guter Rat. Denn wenn Menschen sich auf andere Felder wagen, gar auf ein anderes Spielfeld, dessen Regeln sie nicht verstehen und erst recht nicht beherrschen, dann passieren Fehler. Vermeidbare Fehler. Dumme Fehler. Peinliche Fehler.

Gut, ein Fehler ist bekanntlich ein Fehler und noch keine Katastrophe, aber man kann durch (eigene) Ungeschicklichkeit dann eine Katastrophe daraus machen, zumindest eine PR-Katastrophe.

Da trifft sich ein Spieler mit türkischen Migrationshintergrund mit einem ausländischen Staats- / Regierungschef, der nicht gerade durch demokratisches Handeln und Nähe zu Menschenrechten bekannt ist. Nicht irgendein Spieler. Ein sehr bekannter Fußballspieler, Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft. Und dann macht ein Foto die Runde, das mit „Mein Präsident“ beschrieben wird.

Oha! Bekanntlich hat „mein“ im Deutschen mehrere Bedeutungen:

„Mein“ -> Eigentum
Mein Auto. Ich habe es gekauft, es ist mein Eigentum, ich habe den entsprechenden Eigentumsnachweis.

„Mein“ -> Besitz
Ich übe in diesem Moment die tatsächliche Sachherrschaft darüber aus, auch wenn ich nicht Eigentümer bin. Meine Wohnung ist Eigentums des Vermieters, aber ich habe die Schlüssel und bestimme, wer reinkommt und wer nicht.

Mein -> Zugehörigkeit
Meine alte Schule, meine Freunde, mein Pferd… Ich ging dort mal zur Schule, habe da mein Abitur gemacht und fühle mich der Schule ein wenig verbunden, weil sie Teil meines Lebens war (und ist). Meine Freunde habe ich auch nicht gekauft, ich fühle mich ihnen zugehörig (und sie sich mir). Mein Pferd, wenn ich draufsitze, dann übe ich die „Sach“herrschaft aus (vor dem Gesetz sind Pferde Sachen). Aber in Wirklichkeit gehört mein Herz dem Pferd, also auch wieder Zugehörigkeit.

Und dann spricht ein Spieler von „Meinem Präsidenten“? Tauschen wir mal ein paar Begriffe aus:

Ein Spieler des FC Bayern München lässt sich mit dem Präsidenten eines anderen Fußballvereins ablichten, überreicht mit den Worten „Für meinen Präsidenten“ sein Trikot.

Später wird er sich herausreden dann sagen, dass seine Vorfahren ja mal bei eben jenem Verein gespielt hätten und dass deshalb…

Wir merken schnell, dass es Verhaltensweisen gibt, die — drücken wir es etwas banal aus — einfach nicht gehen. Auf keinen Fall. Absolutes No-Go! Wer schlau ist, weiß das vorher.

Als Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft ist man eben nicht mehr irgendeine banale Privatperson, die machen kann, was sie will. Da ist man dann schon ein Stück Deutschland und vertritt dann auch Deutschland. Oder sollte es vertreten. Wenn man das nicht kann, oder nicht will, macht eben keine solchen Fotos und trifft sich ganz still mit jemandem.

Sieht man sich dann (un)berechtigter Kritik ausgesetzt, kann man sich klug oder weniger klug verhalten. Oder man kann dann gleich die ganz große Keule schwingen und von „Rassismus“ sprechen. (Selbst-)Kritik am eigenen Verhalten? Bloß nicht! Schuld sind bekanntlich nur alle anderen.

So mancher Fußballspieler erweist sich dann leider doch als nahezu inselbegabter Bälletreter. Wer hat nun gewonnen? Niemand. Wer hat verloren? So ziemlich alle.

Nein, einen Gewinner gibt es doch. All jene Kräfte am sehr rechten Rand der Gesellschaft, die dieses Beispiel als Beleg dafür nehmen, dass Integration eben doch nicht funktionieren könne.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
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