Sprache: Wie nennen wir …?

Sprache ist eine komplizierte Sache. Sie soll präzise sein, genau beschreiben, was wir denken. Gleichzeitig ist sie unpräzise. Sprache hat viele Unschärfen, an denen wir uns nicht stören. Wir wissen, was wir meinen, auch wenn wir etwas anderes sagen (oder schreiben). Klingt abstrakt? Es wird mit ein paar Beispielen deutlicher.

Neger und Weiße
Als „Neger“, „Schwarze“ oder „Farbige“ wurden (und werden heute noch) Menschen mit dunkler Hautfarbe bezeichnet. Und als „Weiße“ eben Menschen mit heller Hautfarbe. Beide Bezeichnungen sind falsch. Das Wort „Neger“ stammt vom lateinische „nigra“, ab und bedeutet „schwarz“. „Schwarze“ sind nicht schwarz, sie sind mehr oder weniger dunkelhäutig. „Weiße“ haben helle Haut, keine weiße. Also sind alle Menschen farbig. Unsere Hautfarben sind unterschiedlich. Manche Menschen haben helle Haut, die sich aber binnen weniger Stunden in praller Sonne deutlich rötlicher verfärben kann. Manche Menschen haben helle Haut, die sich im Sommer dunkler färbt. Manche Menschen haben immer etwas dunklere Haut. Manche Menschen auch sehr dunkle Haut.

Warum reden wir von „Negern“, „Farbigen“ und „Weißen“? Manchmal meint man Menschen mit genau der dieser Eigenschaft und man möchte sie sprachlich von einer großen Gruppe von Menschen abgrenzen.  Und wenn wir von der Hautfarbe reden wollen, dann … benutzen wir eben solche Begriffe.
Sind sie glücklich gewählt? Nein.
Sind sie präzise? Nein. Ab welcher Hautdunkelheit (oder -Helligkeit) ist man denn ein „Neger“ oder ein „Weißer“?
Sind sie prägnant? Ja.
Sind sie geeignet, um den einen Unterschied zu bezeichnen, den wir meinen? Ja. Und deswegen nennen wir manche Menschen heute noch Neger.

Ist das diskriminierend? Ja und nein! „Diskriminieren“ bedeutet vom lateinischen Wortstamm „trennen, abgrenzen“. Manchmal brauchen wir einen prägnanten Begriff, um aus einer großen Gruppe eine Untergruppe oder einen einzelnen Menschen zu bezeichnen. Dann reduzieren wir den Menschen eben auf eine Eigenschaft.
In einer Fußballmannschaft sind alle Spieler Feldspieler. Nur eben der eine nicht, der ist Torwart.
In einer Gesellschaft, in der die überwiegende Mehrheit Rechtshänder sind, ist die Bezeichnung „Linkshänder“ genau das, um …
Wenn Menschen mit dunklerer Hautfarbe gemeint sind, sprechen viele Menschen eben von Negern. Und denken sich nicht viel dabei.

Ist das schlimm? Kommt darauf an, was mit dem Begriff verbunden wird. Empfindet man „Neger“ als abwertend und möchte es auch so verstanden wissen, dann kann Neger ein Schimpfwort sein. Möchte man schlicht damit ausdrücken, einen Menschen mit (sehr) dunkler Hautfarbe zu meinen, ohne dabei eine Wertung vorzunehmen, dann ist das — aus meiner Sicht! — okay.

Wie könnte man es anders/besser sagen?
Wir könnten „Neger“ durch „Schwarzer“ oder „Dunkelhäutiger“ ersetzen. Wird es dadurch besser? Ich bin nicht sicher, ob die Ersetzung eines Begriffes Probleme löst. Ich möchte lieber eine Wertfreiheit der Wörter „Neger“, „Schwarzer“ oder „Weißer“. Denn im Grunde haben wir alle eine Hautfarbe. Und — man kann es nicht oft genug sagen — der Charakter macht den Menschen aus, nicht die Farbe seiner Haut.

Zigeuner
Zigeuner, eine alte Bezeichnung für … Ja, da geht es schon los. Eine wirklich präzise Bezeichnung finden wir nicht. Zigeuner wurde dann ein Sammelbegriff für Angehöriger bestimmter Bevölkerungsgruppen, meistens auch als fahrendes Volk bezeichnet. Den Begriff „Zigeuner“ reflexhaft durch „Sinti und Roma“ zu ersetzen ist sprachlich und logisch falsch. „Roma“ sind eine Gruppe der Zigeuner, es gibt noch andere Gruppen, die man dann sprachlich aussondert. Und „Sinti“ sind wiederum eine Untergruppe der Roma. „Sinti und Roma“ statt „Zigeuner“ zu sagen ist also nicht die Lösung. Müssen wir deshalb das Zigeunerschnitzel umbenennen?  Schmeckt es dadurch besser?

Ich möchte den Begriff „Zigeuner“ wertfrei benutzen und nicht immer „Sinti und Roma“ sagen (müssen). Bei anderen Begriffen ist ein wertfreier Umgang ja auch wieder möglich geworden. Oder ist „Jude“ für die meisten Menschen heute noch so ein abwertender Begriff wie zwischen 1933 und 1945? Nein!

Geschlecht
Dazu werde ich dann einen eigenen Artikel schreiben.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
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