„Stromdiebstahl“ und das Drama danach

Vor vielen Jahren bloggte ich über eine Posse zum Thema Stromdiebstahl. Neulich traf ich eine Bekannte, ich wollte wissen, wie’s ihr denn im neuen Job ergehe. Ihre Antwort ist es wert, mal hier verbloggt zu werden. Hier ihre Geschichte:

Den Job hab ich nicht mehr. Ich hab gekündigt, nachdem ich mir einen neuen Job angenommen hatte. Die Suche ging glücklicherweise blitzschnell und dann war ich aus dem alten Job von heute auf morgen raus.

Wieso ist gekündigt habe? Total doofe und peinliche Geschichte. Du weißt doch, ich nutze mein Handy als Wecker, vor dem Schlafengehen wird es geladen. Nun hatte ich da neulich eine App, die noch im Hintergrund lief und während der Nacht den Akku leergesaugt hatte. Ich hab dann das Ladekabel mit zur Arbeit genommen und es dann dort geladen. Alles kein Ding. Mein PC läuft ja sowieso und weil ich schon ’ne Power-Userin bin, hab ich einen sehr leistungsfähigen PC, der schon ein wenig mehr Strom braucht.

Jedenfalls kommt mein Chef rein, sieht das angeschlossene Handy und bekommt einen Tobsuchtsanfall und brüllt was von „Stromdiebstahl“ und so und dass er mich deswegen rauswerfen werde. Ernsthaft „Stromdiebstahl“. Der Mann ist Diplom-Ingenieur in Elektrotechnik, sollte also wissen, wie viel Strom das Laden eines Handy braucht, und das es praktisch „nichts“ kostet. Ich hab’s mal ausgerechnet, wir kommen da nicht mal auf einen Cent.

Ich hab dann in der Mittagspause bei der Firma angerufen, bei der ich mich auch beworben hatte, aber deren Zusage erst kam, als ich hier schon unterschrieben hatte. Glücklicherweise war die Stelle noch frei und ich bekam dann gleich eine mündliche Zusage.

Nachmittags bin ich dann in die Personalabteilung und habe gekündigt. Die Personalerin fiel aus allen Wolken, als ich ihr berichtete, was vormittags passiert war, fasste sie sich an den Kopf. Solche oder sehr ähnliche Situationen kannte sie wohl schon, manchmal bekam der Chef wohl cholerischen An- und Ausfälle, brüllte sein Personal meistens grundlos zusammen und verschreckte so im Laufe der Zeit viel gutes Personal.

Der Chef empfand meine Kündigung als Frechheit, zur „Strafe“ wurde ich sofort freigestellt. Und da die Frist zur Kündigung für das kommende Monatsende knapp verpasst war, wurde es eben erst eine Kündigung einen Monat später. So gab es knapp sechs Wochen bezahlten Sonderurlaub. Und den nehme ich jetzt.

Sie schenkte mir ihr legendäres Lächeln, lud mich auf eine heiße Schokolade und ein Stück Kuchen ein und wir klönten dann über die schönen Dinge des Lebens.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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