Teuer bezahlte Fehler

Wir alle kennen den berühmten Ausspruch aus dem Film Forrest Gump:

Dumm ist, wer Dummes tut!

Manchmal treffen aber auch intelligente Menschen dumme und verhängnisvolle Fehlentscheidungen. In der letzten Zeit sind mir Berichte über zwei Fälle untergekommen, die mich zum Denken angeregt haben.

Da ist ein Mensch als Chef der Treuhandanstalt ganz weit oben auf der „Wunschliste“ der Terroristen. Das BKA hat davon erfahren und gibt diese Information an den Betroffenen weiter. Und dann beraten die Personenschützer mit der Zielperson, wie der Schutz aussehen kann und welche Maßnahmen getroffen werden können, um den Schutz zu erhöhen.

Dann fährt man nicht mehr selbst mit dem Auto zur Arbeit, des Fahrer holt einem mit einem gepanzerten Fahrzeug ab und fährt einen zur Arbeit. Dort endet die Fahrt nicht vor dem Dienstsitz sondern in der geschützten und bewachten Tiefgarage (oder Innenhof). Natürlich fährt man nicht jeden Tag die gleiche Strecke und die örtliche Polizei hat die Strecke vorher abgefahren und nach verdächtigen Dingen Ausschau gehalten. Da sind so die Basics, die in jedem Handbuch für Personenschutz stehen. Das haben übrigens auch die Terroristen gelesen. Zumindest sollte man davon ausgehen.

Das eigene Haus oder Wohnung sollte auch abgesichert werden, denn schließlich kann die Zielperson auch dort angegriffen werden. Fenster sollten mit Panzerglas ausgestattet sein. Und zwar alle Fenster. Es reicht nicht, nur die Fenster im Erdgeschoss damit auszurüsten. Geht man dann ins Arbeitszimmer im Obergeschoss, macht das Licht an, gibt man ein vorzügliches Ziel für einen Heckenschützen, der keine hundert Meter entfernt in einem Schrebergarten auf der Lauer lag.

Es hätte nicht unbedingt Panzerglas im Obergeschoss sein müssen, fernbediente Rollläden, die dem Attentäter die Sicht nehmen, hätten es auch getan, denn wenn man ein Ziel nicht mehr ausmachen kann, ist die präzise Bekämpfung schwierig bis unmöglich.

Warum Detlev Rohwedder im Obergeschoss seines Hauses kein Panzerglas hatte, werden wir nie erfahren. Bedauerlich, dass dieses Versäumnis einen so hohen Preis forderte.

Ein anderes Beispiel soll Alfred Herrhausen betreffen. Vor ein paar Tagen ging durch die Medien, dass der gepanzerte Dienstwagen auf Herrhausens eigenen und ausdrücklichen Wunsch eine versenkbare Seitenscheibe gehabt haben soll, was die Panzerwirkung geschwächt haben soll. Und als die Sprengfalle auslöste und das Projektil das Fahrzeug traf, soll ein Teil des Kurbelmechanismus Herrhausen getroffen und tödlich verletzt haben.

War Alfred Herrhausen nicht klar, dass versenkbare Scheiben die Schutzwirkung (erheblich) schwächen können? Glaubte er nicht an eine konkrete Bedrohung?

Es geht mir ausdrücklich nicht um die Andeutung einer möglichen Mitschuld der Opfer. Als ich unlängst von beiden Fällen erfuhr, versuchte ich mir vorzustellen, ob den Menschen klar sein konnte, in welcher Gefahr sie sich befanden (wahrscheinlich nicht) und dass unmenschliche Angreifer jede noch so kleine Schwäche ausnutzen würden.

Ich frage mich, ob Menschen, die in ähnlich exponierten und gefährdeten Position aus diesen (und anderen) tragischen Fehlern lernen können oder wollen.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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