Unendliche Dummheit – Stoiberland ist überall

Ach, was muß man oft von ‚klugen‘ Menschen hören oder lesen!
Wie zum Beispiel hier von diesen, welche Jörg und Ede hießen.
Die, anstatt durch weise Worte kämpfen Wahl an jedem Orte,
oftmals über Ossis lachten und sie gar zu Kälbern machten.
Ja, zur Überheblichkeit, ja, dazu ist man bereit!
Ossis necken und frustrieren und Angela sabotieren
das ist freilich angenehmer und dazu auch viel bequemer
als Frau Merkel bei der Wahl zu stützen und der CDU zu nützen.
Aber wehe, wehe, wehe, wenn ich auf den Wahltag sehe!
Ach, das war ein schlimmes Ding, wie es Jörg und Ede ging.
Drum ist hier, was sie getrieben abgemalt und aufgeschrieben.

(Frei nach Wilhelm Busch)

Manchmal frage ich mich, ob es die Herren von der CDU auch in schlau gibt, falls ja, dann in welchen Parallel-Universum? Wenige Wochen vor der Wahl, so sie denn am 18. September stattfinden wird, scheinen die Herren Jörg Schönbohm und Edmund Stoiber einiges zu unternehmen, um Angela Merkels als sicher gelten Wahlsieg zunichte zu machen.

Schönbohm verliert die Fassung, als bekannt wird, daß eine Frau, die nur krank sein kann, neun ihrer Kinder ermordet haben soll. Schuld daran mußte natürlich das alte Regime im Osten gewesen sein. Mit der Unfehlbarkeit eines Generals, der es gewohnt ist, daß seine Landser springen, wenn er es nur so will, verkündete Schönbohm diese seine Weisheit. Mag sein, daß böse Journalisten ihn falsch verstehen wollten. Ein kluger Kopf sollte vorausdenken können, wann er sich auf dünnes Eis begibt und im Zweifel die Klappe halten. So hat er viele Ostdeutsche pauschal verunglimpft. Egal, ob er richtig oder falsch verstanden wurde, das wird Wählerstimmen kosten.

Stoiber, der vor laufenden Fernsehkameras kaum einen Satz sprechen kann, ohne dabei zu stocken und „Äh“ einzustreuen, wünschte sich, alle wären so wie die Bayern, dann gäbe es weniger Probleme in Deutschland. Ist das wirklich so wünschenswert? Ich bin froh, daß es nicht nur Bazis gibt, und erst recht keine ewigen „Äh“-Sager. Ich bin froh, daß es Deutsche gibt, die man ohne Schwierigkeiten versteht.

Und ob es wirklich so klug war, die Ostdeutschen als frustrierte Jammer-Wähler dazustellen, das wird sich am Wahltag zeigen. Die letzte Bundestagswahl wurde im Osten gewonnen. Mit Überheblichkeit wird man dort keine Sympathien gewinnen können. Frau Merkels Ost-Bonus alleine wird verbale Entgleisungen nicht wettmachen können.

Mit Angela Merkel tritt zum ersten mal eine Frau als Kandidatin an, zudem noch eine Ostdeutsche. Beides paßt in unsere Zeit. Als Kanzlerin aus Ostdeutschland könnte sie die Kluft in den Köpfen verringern. Das ist heute wichtiger denn je, denn das Zusammenwachsen von Ost und West lief nicht so reibungslos, wie es wünschenswert gewesen wäre.

Voraussetzung ist allerdings, daß die Union die Wahl gewinnt oder mit der FDP eine Koalition hinbekommt. Das wird aber nicht passieren, wenn Dummschwätzer die Wähler vergraulen.

5 Kommentare zu „Unendliche Dummheit – Stoiberland ist überall“

  • German Psycho schrieb:

    Ich finde die angeblichen Entgleisungen der beiden Herren auch als äußerst dumm. Nicht wegen ihres Inhaltes, auf den ich anschließend zu sprechen komme. Sondern aufgrund der von Ihnen völlig korrekt dargestellten Unfähigkeit, das Glatteis zu bemerken, auf welches man sich begibt.

    Zu Herrn Schönbohm: Wären die Morde im Westen passiert und hätte daraufhin Herr Fischer (oder so) erzählt, daß soetwas nur in unserer von menschlichen Werten befreiten Kapitalismuskultur entstehen könne – er wäre eher beklatscht denn beschimpft worden. Herr Schönbohm glaubt, daß das DDR-Regime zur Gefühlskälte und Entmenschlichung beigetragen habe. Dies paßt nicht in die mittlerweile fast zur Wahrheit verkommenen Lüge der SED-Nachfolgepartei, innerhalb der DDR sei das menschliche Miteinander so herzlich und gut gewesen. So gut, daß jeder zweite IM war. So gut, daß man nie genau wußte, wem man trauen kann. Vor allem dann nicht, wenn man andersartig war (ein schwuler Kumpel von mir kann darüber recht viel berichten…)

    Stoiber:
    Wie kann es eigentlich sein, daß man den Menschen im Osten per se schon mal gar keinen Vorwurf machen darf? Dürfen nur Westbürger kritisiert werden? Wenn ich sehe, daß eine Partei, die absolut nicht der Demokratie verschrieben sieht, dort massenweise Wählerstimmen anzieht, dann wundere ich mich auch. Intelligente Menschen im Osten werden sich noch an das Regime erinnern. Und daher SPD, Grün, FDP, CDU oder irgendwelche kleineren Parteien wählen. NPD/DVU-Wähler und SED/PDS/WASG-Wähler dagegen dürfen und müssen kritisiert werden. Denn diese haben nichts gelernt.

  • Nik schrieb:

    Daß beide Herren glauben, monokausale Erklärungen seien tragfähig, spricht nicht für die beiden.

  • German Psycho schrieb:

    Was soll das denn? Typisches rethorisches KO-Argument. Niemand kann widersprechen. Monokausale Erklärungsmodelle sind immer falsch. Aber im konkreten Zusammenhang? Herr Schönbohm hat nicht gesagt, die Tötung sei ausschließlich dem DDR-Regime anzulasten. Und Herr Stoiber hat lediglich angemerkt, daß es nicht sein könne, daß Extremisten in dem Maße (wieder) gewählt werden.

    Keiner der Beiden hat somit für irgendetwas monokausale Erklärungen angeboten.

  • Kai Bojens schrieb:

    Nunja.

    Grundsätzlich gilt, dass man durch die Beleidigung von Wählern sicher nicht in einen Dialog kommt, den man ja eigentlich dringend bräuchte. Wer offen davon spricht, dass die Bayern die klügsten sein ("…wir haben leider nicht überall so kluge Bevölkerungsteile wie in Bayern." – Stoiber) und nicht will, "dass noch einmal im Osten die Wahl entschieden wird." (Stoiber), der sucht keinen Dialog – der will nur markig auftreten. Wenn man Wähler der extremen Parteien überzeugen will, kann man sie nicht beschimpfen. So etwas schweißt diese Wählergruppen eher noch zusammen und bestärkt sie in ihrer Entscheidung.

    Und wenn Jörg Schönbohm ernsthaft das DDR-Regime und dessen Auswirkungen als Erklärung heranzieht, dann muss er auch erklären warum in Hamburg ein Kind zu Hause verhungern konnte ohne bemerkt zu werden: http://www.spiegel.de/sptv/magazin/0,1518,344046,00.html

    Der Ton macht die Musik. Und die Töne von Stoiber und Schönbohm sind falsch.

  • German Psycho schrieb:

    Diesen Punkt habe ich ja deswegen auch anfangs herausgehoben. Ich kenne Herrn Schönbohms Hirn nicht. Aber der bewußte Mord an einem Kind und das Verhungern – das sind zwei verschiedene Vorgänge. Nicht in der moralischen Bewertung. Aber es können durchaus unterschiedliche Erklärungen für unterschiedliche Fälle herangezogen werden. Beispielsweise die DDR-Erklärung für den Mord und das kapitalistische, kalte System für das Verhungern. Inwieweit die nun richtig sind, muß jeder für sich entscheiden.

    Stoiber: Die jüngsten Zahlen geben Ihrer Argumentation nicht Recht. Dennoch stimme ich Ihnen inhaltlich zu: So sollte man nicht argumentieren. Es ist der falsche Ton.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
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ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
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