Verdammt clever: Google bietet eigenen DNS-Server an

Eines muß man den Leuten von Google lassen: Was sie machen, machen sie verdammt clever. Neuerdings bietet Google auch eigene DNS-Server unter der Adresse 8.8.8.8 und 8.8.4.4 an.

Was ist daran so clever: Die Experten ahnen es, den Laien erkläre ich an dieser Stelle kurz, worum es geht.

Computer im Internet sprechen einander mit sog. IP-Adressen an. Diese Adressen bestehen aus vier Gruppen. Da sich zum Beispiel 192.168.23.42 für Menschen nur schwierig merken läßt, wurde so etwas wie ein Telefonbuch für das Internet erfunden. Der Mensch möchte zu einer bestimmten Webseite surfen, der Computer fragt den DNS-Server, unter welcher Adresse sich diese Seite befindet, bekommt als Antwort eine IP-Adresse und arbeitet dann mit der weiter. Will ich Tante Trude in Buxtehude anrufen, dann muß ich ihre Telefonnummer nicht auswendig wissen, ich sehe ich im Telefonbuch nach.

IP-Adressen und das Nachschlagesystem dafür, das DNS, gerieten in jüngster Zeit in die Diskussion, da einige Politiker, die das Internet nicht verstanden haben, sich für Sperren im DNS aussprachen, um den Zugang zu bestimmten Webseiten zu umgehen. Übertragen auf das Beispiel Telefonbuch: Man hätte Tante Trude nicht den Telefonanschluß abgeschaltet, man hätte lediglich dafür gesorgt, daß die Nummer ihres Telefonanschlusses nicht mehr im Telefonbuch steht und auch nicht bei der Auskunft erfragt werden kann. Klingt idiotisch, aber genau das wollten manche Politiker.

Aber es geht noch weiter: Kaum wurden derlei Ansinnen bekannt, empörten sich viele Leute über die DNS-Sperren. Zum einen, weil sie wirkungslos sind, denn die Sperrlisten können auch als Art Empfehlung der anderen Art verstanden werden. Zum anderen, weil die Sperrlisten auch Dinge sperrten, für deren Sperrung kein gesetzlicher Grund bestand.

Flugs entwickelte sich eine Art von Untergrund-Infrastruktur: Immer mehr Menschen bauten eigene DNS-Server aus. Übertragen auf unser Telefon-Beispiel: Wenn Tante Trudes Telefonnummer nicht mehr bei der Auskunft erfragt werden kann, dann frage ich eben eine andere Auskunft und schon kann ich Tante Trude wieder anrufen.

Und was hat das alles mit Google zu tun? Nun bietet auch Google eigene DNS-Server an. Wie erinnern uns, jedesmal, wenn ich eine Seite ansurfen möchte, braucht mein Computer den DNS-Server. Nutze ich nun den Google-DNS, um eingeschränkte DNS-Server zu umgehen, dann erfährt Google jedesmal, welches Ziel mein Computer hat. Und welche Ziele andere Computer haben. Jedesmal. Google kann dann diese Daten sammeln und auswerten und erfährt so, was Menschen im Internet wirklich interessiert.

Ich wette, bei Google dankt man im Stillen den Politikern, die das Internet nicht verstanden haben und meinen, es per Fummeleien am DNS-Servern kontrollieren zu wollen.

7 Kommentare zu „Verdammt clever: Google bietet eigenen DNS-Server an“

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