Vorteile der Voratsdatenspeicherung

Über die Voratsdatenspeicherung wird ja viel Negatives Geschrieben. Hier zum Beispiel, daß sie nur 0,01% höhere Aufkläungsquote bringe.

Aber sehen wir das mit der Voratsdatenspeicherung doch mal von der anderen Seite, seien wir mal nicht realistisch sondern utopisch-optimistisch:

Wir brauchen nie wieder ein Fahrtenbuch zu führen, um dem Finanzamt nachzuweisen, welche Fahrten wir wann gemacht haben und daß diese Fahrten dienstlicher Natur waren. Der Staat kennt doch eh unsere Kunden über die Rechnungen. Und dank der Statusmeldungen unseres Mobiltelefons legen wir eine schicke Datenspur, sagen dem Staat also immer, wo wir gerade sind. Warum sollte der Staat das nur gegen uns verwenden? Der Staat sind wir alle und wir sind ja die Guten. Also prima Sache das.

Und wenn ich mal länger beruflich unterwegs bin, unterwegs dann beim goldenen M oder dem Buletten-König einkehre, dann kann das System das auch gleich als Mehraufwand in meine Steuererklärung einrechnen. Klasse.

Alle Bücher, die ich bei Amazon (oder <Lieblingsbuchhandel>) online kaufe und fachlich für meinen Beruf notwendig sind, werden auch automagisch bei der Steuererklärung berücksichtigt. Spart viel Arbeit.

Alle Telefonate von meinem Handy zum Kunden werden natürlich auch berücksichtigt. Vielleicht doch nicht alle. Es könnten ja auch Gespräche privaten Inhalts dabei sein, die müssen wir leider abziehen. Kein Problem, Software, die Inhalte von Gesprächen analysieren kann, ist bereits verfügbar, im Kampf gegen den internationalen Terrorismus und gegen die Steuerunehrlichkeit sollte uns kein Mittel zu schade sein.

Also je länger ich darüber nachdenke, desto besser finde ich die totale Totalüberwachung.

Und natürlich kann man mit Überwachung und Speicherung nicht weit genug gehen, wir sollten auch jedes Schlafzimmer überwachen. Natürlich zum Schutz der Kinder („Denkt denn niemand hier an die Kinder?“). Könnte ja sein, daß jemand in seinem Schlafzimmer schlimme Dinge mit Kindern tun könnte. Und dank der totalen Totalüberwachung können wir dann auch feststellen, daß unsere sexy Nachbarin von ihren Besuchern ein ‚Taschengeld‘ bekommt, also der gewerbsmäßigen Prostitution nachgeht. Das ist eine (unerlaubte) Sondernutzung ihrer Wohnung und gehört besteuert. Und wieder für mehr Steuergerechtigkeit gesorgt. Das finden wir doch alle prima.

Ich sollte gleich mal meinen Abgeordneten im Land- und Bundestag schreiben. Die finden es bestimmt auch ganz prima, wenn ich zukünftig erfahren kann, ob sie viel Zeit in Parlament, ihren Abgeordnetenbüros oder doch mehr beim Lobbyisten oder auf dem Golfplatz (bei einigen wohl eher: am Buffett) verbringen. Und natürlich werden sie auch begeistert sein, kann jeder erfahren, wieviel Geld sie mit ihren Nebenjobs so machen. Und wenn jeder sehen kann, daß sie nie-nicht im Sinne der Leute abstimmen, auf deren (Neben-)Gehaltsliste sie stehen, dann ist doch alles wun-der-bar. Das nützt uns doch allen.

Wie? Unsere Parlamentarier sind für Voratsdatenspeicherung, aber nicht so gerne bei sich selbst? Nur für das gemeine Volk? Verstehe ist nicht. Versteht Ihr das?

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
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