Was Klamottenhersteller von Flugzeugherstellern lernen könnten

Ich wasche gerne Wäsche. Ich mag meine Waschmaschine, verwandelt sie doch getragene — und seien wir ehrlich — manchmal auch recht schmutzige Wäsche wieder in saubere Klamotten. Und während ich meine Hosen zum Waschen mal auf links ziehe, betrachte ich die Hose mal genauer. Und auch die Stellen, an denen der Stoff etwas angegriffener aussieht: Es sind die Stellen, an denen die Gesäßtaschen oben abgeschlossen sind.

Die Taschen sind nicht einfach nur aufgenäht, der Stoff ist umgeklappt und dann mit einer Doppelnaht auf der Hose angenäht. Am oberen Rand ist der Stoff nicht nur vertikal umgeklappt, die Tasche hat auch noch eine weitere Verstärkung, der Stoff ist auch noch horizontal umgeklappt, dadurch bestehen die oberen Ecken der Tasche aus vier Lagen, die dann auf das Gesäß der Hose aufgenäht sind.

Und genau hier ergibt sich das Problem: Vier Lagen Stoff, vernäht mit einer stabilen (und unflexiblen) Doppelnaht, ergeben ein große Kräfte, die dann auf die eine Lage Stoff der Hose wirken. Und dort gibt der Stoff dann eben schnell auf als er eigentlich müsste. Und genau hier kommt die Erfahrung der Flugzeughersteller ins Spiel. Früher[tm] baute man Flugzeuge mit eckigen Fenstern. Warum auch nicht? Dann flogen Flugzeuge höher und höher und die Passagiere wollten dabei keine Sauerstoffmasken tragen, also musste der Kabineninnendruck deutlich über dem Luftdruck außen liegen. Dieses Überdruck erzeugt mechanische Spannungen, die sich an den rechtwinkligen Ecken der Fenster besonders auswirkten und zu Materialermüdung führten. Der Rumpf wurde dann im Flug schlagartig beschädigt, was dann zum Absturz führte.

Nun ist das Ausreißen des Stoffs an einer Jeans nicht so tragisch wie ein Flugzeugabsturz, aber vielleicht kann auch hier eine kleine Änderung dafür sorgen, dass ein ansonsten einwandfreies Produkt deutlich länger hält. Irgendwann, das ist sicher, sorgt die Abnutzung durch das Tragen und das viele Waschen dafür, dass der Stoff so verschlissen ist, dass die Hose ihren letzten Gang antreten wird: Zum Altkleider-Container.

1 Kommentar zu „Was Klamottenhersteller von Flugzeugherstellern lernen könnten“

  • Marcus schrieb:

    Nimm doch einfach die dicken Geldbündel aus den Taschen, dann werden die nicht so stark beansprucht! Kannst von mir sonst auch runde Taschen bekommen, die besonders lange halten. Allerdings wären die durch die komplett umlaufende Naht wahrscheinlich auch relativ nutzlos…

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About Nik

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