Wort des Tages

Ein guter Freund ruft an, er ist auf dem Weg zum Essen und will mich abholen. Das lasse ich mir nicht zweimal sagen und bin gerne dabei. Er bringt auch noch E. mit. Ich mag ihre flippige und unkonventionelle Art und freue mich auf die beiden.

Als er den Motor anläßt, ertönt ein Signal, das Auto warnt, daß ein Bremslicht defekt sei. Neugierig lese ich diesen Hinweis. Der Freund bemerkt meinen Blick und wechselt genervt das Thema. Während der Fahrt plaudern wir über Belangloses, als er irgendwann auf das Thema Bremslicht zurückkommt. „Das Teil ist schon etwas länger kaputt, ich schaffe es einfach nicht, da mal beizugehen…“

Direkt neben dem Restaurant ist eine Tankstelle, er hält dort und öffnet den Kofferraum. Etwas ratlos hält er mir die Bedienungsanleitung entgegen. Dort liest sich das ganz einfach und der Wechsel eines Bremslichtes müßte binnen einer Minute erledigt sein. Ich sehe in den Kofferraum und sehe nichts. Die Lampen sind nicht so zugänglich, wie es sein sollte, der ganze Kofferraum ist mit Teppich ausgekleidet, welcher sehr gut befestigt ist.

„Nun laßt mich da mal ran, Jungs.“ Offenbar dauert E. das ganze zu lange. Sie drängt sich zwischen uns und beugt sich vor. Daß ihr sehr kurzer Rock dabei für Aufmerksamkeit der übrigen Tankstellenkunden erregt, entgeht uns. Mit ihrem Fingernagel zieht sie einen Stift heraus, mit dem der Teppich im Kofferraum befestigt war.

Nun dauert der Wechsel des Bremslichtes tatsächlich weniger als die geschätzte Minute. Der Freund läßt den Motor an, die lästige Warnung verschwindet, als er auf die Bremse tritt. Der Freund lächelt zufrieden. Während ich die Halterung für die Lampen wieder einbaue, steigt E. in den Kofferraum und befestigt den Teppich wieder ordnungsgemäß. Die Blicke der Zuschauer werden eindeutiger.

„Das Dingens hier“, sie zeigt uns den Befestigungsstift für den Teppich „ist ein Spreizdübel. Einfach an die richtige Stelle reinstecken und alles wird gut.“ Ihr lautes Lachen dazu ist so wenig damenhaft wie ihr Outfit und sorgt bei den Umstehenden für betretene Blicke. „Und da heißt es immer, Frauen hätten keine Ahnung, wie man Autos repariert.“ Unsere Zuschauer sehen demonstrativ weg. „So, und nun fahren wir was essen, ich habe Hunger und mir meinen Burger verdient…“

Wir wagten nicht zu widersprechen, erklärten „Spreizdübel“ jedoch zum Wort des Tages.

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About Nik

heißt eigentlich Nikolaus Bernhardt und ist Baujahr 1965
wohnt in der Hauptstadt des Marzipans
ist eine Mischung IT-Mensch und BWLer
hat noch ein paar (verborgene?) Talente mehr
erklärt gerne komplizierte Dinge
mag gute Werbung

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