Zum Tode von Günter Freiherr von Gravenreuth

„De mortuis nil nisi bene“ heißt es im lateinischen Sprichwort. „Über Tote soll man nicht schlecht reden“ sagt die etwas freiere deutsche Übersetzung. Eigentlich.

Heute setzte Günter Freiherr von Gravenreuth (GFvG) seinem Leben ein Ende und die Kunde davon machte schneller die Runde, als man A-B-M-A-H-N-U-N-G buchstabieren kann. Die Zahl der Trauernden dürfte sich in überschaubaren Grenzen halten, zu sehr polarisierte GFvG. Und er schien es zu genießen, daß er äußerst umstritten war. Gegenüber dem Stern sagte er einst „Die einen hassen mich, die anderen sind meine Mandanten.“

Seinen legendären berüchtigten Ruf hat sich Gravenreuth hart erarbeitet. Unter dem Pseudonym „Tanja Nolte-Berndel“ junge Menschen erst zur Raubkopie anstiftete, um sie dann dafür zu Kasse zu bitten, macht in der Szene nicht nur Freunde. Das Geschäftsmodell, Hilfskräfte nach bestimmten Begriffen im Netz suchen zu lassen, um dann die Verwender der Begriffe abzumahnen, dabei mit herbeiphantasierten kaum nachvollziehbar hohen Streitwerten und entsprechend hohen Gebühren zu operieren, sorgte auch im Kollegenkreis eher für Mitleid als für Anerkennung.

Irgendwann hat Gravenreuth den Bogen überspannt und nicht nur zu moralisch zweifelhaften Methoden gegriffen. Die Quittung gab’s dann vom Gericht in Form von 14 Monaten. Ohne Bewährung. Denen ist ER nun entgangen. Auf seine ebenso eigene Art, wie er vorher gelebt hat.

Möge Gravenreuth nun in Frieden ruhen.

1 Kommentar zu „Zum Tode von Günter Freiherr von Gravenreuth“

  • Lars Schenk schrieb:

    „Er hat einfach nicht aufgehört“ – so hat es der Anwalt TAZ in einem Interview geschrieben. Irgendwie auch fast wieder bemitleidenswert wie GvG sich da in diese Sache hineingeritten hat.
    Bei allem Leid, dass GvG auch über unzählige Jugendliche und Ihre Familien mit seinen fragwürdigen Methoden gebracht hat, gilt mein Mitgefühl auch seinen Angehörigen.

    Die neue Garde der Abmahn-Anwälte erscheint mir jedoch noch skrupelloser, potentiell krimineller und vor allem seelenloser. Ich kann nur hoffen, dass die Gesetzgebung dem Abmahn-Wahnsinn ein Ende macht und eine „Rechtsbeugung“ wie ich es vor Jahrzehnten empfunden habe nicht mehr zulässt, damit gerade junge Menschen nicht den Glauben an den Rechtsstaat verlieren.

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